Über 200 Jungunternehmen haben bereits das Gründungsprogramm des Science Park Graz durchlaufen, drei Viertel der Betriebe überleben. Aktuell herrscht ein historischer Start-up-Höchststand – bis Ende September sollen trotzdem neue Hightech-Gründer hinzukommen.

Leiter den Science Park Graz und das ESA-Gründerzentrum mit so vielen inkubierten Start-ups wie noch nie: Martin Mössler (Credit: Jungwirth)
Leiter den Science Park Graz und das ESA-Gründerzentrum mit so vielen inkubierten Start-ups wie noch nie: Martin Mössler (Credit: Jungwirth)

Automatisiertes Laden von Elektrofahrzeugen, auf Weltraum-Know-how-basierte Fallschirme für Drohnen sowie eine App zur Identifikation von bipolaren Störungen: Die Bandbreite an Geschäftsideen im Science Park Graz ist enorm. Rund 205 Gründungsteams haben das Entwicklungsprogramm des universitären Brutkastens der Grazer Universitäten – als Gesellschafter fungieren die Technische Universität Graz, die Universität Graz und die Medizinische Universität – seit der Gründung 2002 bereits durchlaufen. Aus knapp 150 davon entstanden auch Betriebe, demnach scheitert in etwa jedes vierte Gründungsunterfangen. „Unsere Aufgabenstellung ist es, hochskalierbare Geschäftsideen zu entwickeln und zu forcieren. Es wäre dementsprechend fatal, wenn jede Idee überleben würde“, erklärt Science Park-Geschäftsführer Martin Mössler, der sich sogar „mehr innovative Geschäftsmodelle auf Kosten einer höheren Quote des Scheiterns“ wünscht.

Höchststand an Jungunternehmen
Aktuell werden über 30 Gründungsteams pro Jahr in der Akademie des Science Park Graz auf eine mögliche Aufnahme vorbereitet, im Programm selbst befinden sich momentan 32 Start-ups – so viele wie noch nie zuvor, was auch mit der vor zwei Jahren erfolgten Ansiedelung des „Business Incubation Center“ (BIC) der Europäischen Weltraumagentur ESA zu tun hat. Denn zehn der 32 Start-ups entwickeln im Rahmen der ESA-Kooperation „terrestrische Anwendungen auf Basis von Weltraum-Technologien“, erklärt Mössler. Der restliche, überwiegende Anteil an Start-ups wird durch das „AplusB“-Förderprogramm des Austria Wirtschaftsservice (aws) unterstützt.

Mehr Gründerinnen

Im Rahmen des aws-Programms ist der Science Park auch aktuell wieder auf der Suche nach Hightech-Ideen – noch bis Ende September sind Einreichungen möglich: „Der Run auf die begehrten Plätze hat bereits begonnen“, bestätigt der Geschäftsführer. Für ihn ist dies vor allem auf den Trend der stärkeren Gründungsbereitschaft einer neuen Generation zurückzuführen: „Der klassische Achtstundentag ist für viele junge Menschen wenig attraktiv. Selbstbestimmung und eine sinnvolle Tätigkeit spielen für die Jahrgänge ab 1990 eine maßgebliche Rolle“, hebt Mössler hervor. Insbesondere bei den weiblichen Gründern kann am Science Park Graz ein starker Anstieg verzeichnet werden – lag die Rate der von Frauen inkubierten Unternehmen vor zehn Jahren bei etwa zehn Prozent, beläuft sich diese auf mittlerweile 33 Prozent. In mehr als 50 Prozent der Science Park-Teams gibt es indes weibliche Beteiligung.

Soll zum Standard für das Laden von E-Autos avancieren: „Matrix Charging" ist eine Entwicklung von Easelink, das einst im Science Park Graz begann, heute über 50 Mitarbeiter beschäftigt und weltweit tätig ist.
Soll zum Standard für das Laden von E-Autos avancieren: „Matrix Charging“ ist eine Entwicklung von Easelink, das einst im Science Park Graz begann, heute über 50 Mitarbeiter beschäftigt und weltweit tätig ist.

Team ist entscheidend

Viele weibliche Gründerinnen wünscht sich Mössler auch für den aktuellen Bewerbungsprozess, durch den noch bis Ende September neue Geschäftsmodelle am den Science Park Graz an docken sollen: „Das Team ist entscheidend, eine gelungene Mischung – auch mit weiblicher Perspektive – sehr wichtig.“ Platz für Entfaltung ist trotz des Höchststands an Unternehmen in der Gründerschmiede vorhanden: Mit den E-Lade-Pionieren von Easelink, den Drohnen-Fallschirm-Spezialisten von Drone Rescue Systems sowie meemo-tec, den Entwicklern einer innovativen App zur Früherkennung von bipolaren Störungen, hat ein Trio an Start-ups unlängst – nach der Inkubationszeit von zwei Jahren – das Gründungsprogramm abgeschlossen. Dementsprechend ist das Trio nun in eigene Büro- und Entwicklungsräumlichkeiten übersiedelt. Um in die Fußstapfen dieser Erfolgsbeispiele zu treten, brauche es vor allem „eine international skalierbare Geschäftsidee, ein gutes Team sowie langen Atem“, betont Mössler.

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