In Zahnpasta und Shampoos findet man das Know-how des Steirischen Start-Ups Bublon bereits weltweit: Das 2012 gegründete Unternehmen reüssiert mit hochkomplexen Anlagen, mit denen etwa Füllstoffe für Pflegeprodukte hergestellt werden. Mit dem Hightech-System wollen die Steirer nun in die Automobilbranche expandieren.

Mikroskopisch klein sind die feinen, innen hohlen Kügelchen, die Erwin Brunnmair, Co-Geschäftsführer von Bublon in der Hand hält. „Diese winzigen Teilchen sind ein umweltfreundliches Basismaterial für unterschiedlichste Fabrikate: In der Pflegebranche finden sie etwa als Füllmaterial von Shampoos Anwendung – dort ersetzen die winzigen Kügelchen Plastikpartikel in Zahnpasta und Shampoos“, erklärt Brunnmair.

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Unter dem Mikroskop: innen hohle Kügelchen (Foto: Bublon)

Thermische Expansion

Was wie Mehl in der Hand zergeht, bedarf einer hochkomplexen Vorbehandlung von innovativen Anlagen – genau diese werden von Bublon im steirischen Gleisdorf entwickelt. Konkret: „Wir bauen Systemanlagen, in denen der Vulkansand durch intensive Wärmeeinwirkung, sogenannte thermische Expansion, ausgedehnt wird. Dadurch werden aus den feinen Sandkörnern kleine Kügelchen, die innen hohl sind“, beschreibt Brunnmair das Verfahren. Die Expansion des Sands ähnelt dabei durchaus „Popcorn in der Mikrowelle“, vereinfacht der Co-Geschäftsführer.anlage_cmyk_0904_2

Zu hundert Prozent natürlich

Anders als bei anderen am Markt erhältlichen Verfahren setzt das Gleisdorfer Unternehmen auf natürlichen Wasserdampf als Treibmittel, der Mitbewerb auf CO2. „Das sichert eine Alleinstellung auf dem Markt und macht unser Granulat zu hundert Prozent natürlich“, betont Brunnmair.

Zahnpasta und Baustoff

Diesen Vorteil macht sich vor allem die Pflegeindustrie zunutze: Seit eineinhalb Jahren beliefert das Jung-Unternehmen daher etwa ein global tätiges Unternehmen aus der „Beauty und Care“-Branche mit dem Granulat. „Rund 450 Tonnen haben wir in diesem Zeitraum bereits ausgehändigt“, erklärt Bublon-Co-Geschäftsführerin Sigrid Wabnig. Unternehmen werden in der Regel so lange mit dem Granulat versorgt, „bis sich eine eigene Bublon-Anlage bezahlt macht“, erklärt Wabnig.

Hohes Volumen

Rund 2.000 Tonnen des umweltfreundlichen Granulats könnte eine solche Anlage pro Jahr erzeugen – das hohe Volumen hat auch die Baubranche aufhorchen lassen: Vier Linien des Gleisdorfer Start-Ups sind bereits in der Baustoffindustrie im Einsatz – darunter eine beim renommierten Baustoffhersteller Knauf.

Versuchsanlage im steirischen Gleisdorf
Eine Bublon-Versuchsanlage – mit einer Höhe von 16 Meter – steht im steirischen Gleisdorf

Expansion in Automobilindustrie

Auch in der Automobilbranche erhofft man sich Aufwind, denn genutzt werden kann das Granulat auch als Basis für Interieur- und Exterieur-Komponenten im Fahrzeugbau. „Nach einem entsprechenden Spritzgussverfahren können aus dem Material etwa Kofferraumteile, Stoßstangen und Heckklappen produziert werden“, erklärt Wabnig.

Strenge EU-Direktive

Mit einem entscheidenden Vorteil: Die Fahrzeug-Komponenten verlieren aufgrund des leichteren Granulats an Gewicht. Strenge EU-Vorgaben für die Autobauer beflügeln dabei die Innovation zusätzlich, muss doch der Kohlendioxid-Ausstoß von Neuwagen in Europa ab 2020 um mehr als ein Viertel sinken.

Zukunft: Automobilmarkt

Entsprechende Testversuche in Kooperation mit internationalen Automobilzuliefern wurden durch Bublon, das zu 100 Prozent in Besitz des steirischen Maschinenbauers Binder+Co ist, unlängst gestartet.  „Wir sehen hier einen für unsere Anlagen und das Verfahren immensen Markt in der Automobilbranche. Hier wollen wir mittelfristig unbedingt reüssieren“, unterstreicht auch Binder+Co-Vorstandsmitglied Johannes Pohl die Wichtigkeit des Tochterunternehmens für den steirischen Maschinenbauer.

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