Ab geht die Post – im wahrsten Sinne des Wortes: Geht es nach den Entwicklungen an der Technischen Universität Graz könnten Briefe, Pakete & Co. schon in wenigen Jahren mit Drohnen zugestellt werden. Dafür will sich die Steiermark nun sogar als Testregion für selbstfliegende Drohnen bewerben – ein millionenschwerer Dienstleistungsmarkt wartet.

Noch vor wenigen Jahrzehnten hätte sich Horst Bischof nicht träumen lassen, dass Hightech-Drohnen schon bald für die Zustellung unserer Post verantwortlich zeichnen: „Damals dachte ich noch an Projekte mit Zeppeline und Kameras“, lacht der Vizerektor für Forschung an der Technischen Universität Graz. Doch während den Zeppelinen sprichwörtlich die Luft ausging, bliesen die Drohnen zum Angriff auf den Luftraum: Insgesamt, so schätzt der ÖAMTC, schwirren rund 100.000 der unbemannten Luftobjekte durch die heimischen Lüfte – Tendenz steigend.

Moderne Brieftaube: Post-Vorstand Peter Umundum und TU Graz-Vizerektor Horst Bischof (v. l.) haben gezeigt, dass die Postzustellung in entlegene Gebiete problemlos funktioniert. (Credit: TU Graz/Lunghammer)
Moderne Brieftaube: Post-Vorstand Peter Umundum und TU Graz-Vizerektor Horst Bischof (v. l.) haben gezeigt, dass die Postzustellung in entlegene Gebiete problemlos funktioniert. (Credit: TU Graz/Lunghammer)

Paketzustellung durch Drohnen
Doch nicht nur Hobbypiloten und Fotografen machen sich die Drohnen zu Nutze, auch aus Sicht der Technik ergeben sich neue Perspektiven, betont Bischof: „Die hohe Flexibilität von Drohnen ermöglicht etwa Brücken- und Tunnelinspektionen sowie Innenraum-Anwendungen im Logistik-Bereich – etwa zur Inventarprüfung.“ Zahlreiche Projekte hat der Vizerektor für Forschung dafür bereits ins Leben gerufen – erst unlängst wurde gemeinsam mit der österreichischen Post die Paketzustellung in ländliche Regionen via Drohnen erforscht und „in Testbetrieben auch sehr erfolgreich realisiert“, wie Bischof hervorhebt. Zwar sei ein fortlaufender Betrieb derzeit noch zu teuer, in den nächsten Jahren sei „die Paketzustellung mittels Drohne aber definitiv eine Option“, so der Vizerektor. Allerdings hakt es auch noch rechtlich: Datenschutz und Sicherheitsthemen bremsen den steirischen Abflug ins Drohnenzeitalter. Abhilfe soll eine aktuelle Ausschreibung des Bunds schaffen, der Millionen für eine Testregion der unbemannten Fluggeräte zur Verfügung stellt.

Testregion als „wichtiger Impuls“
Die Idee: Eine eigene Testregion für die Fluggeräte inklusive hochtechnologische Infrastruktur. „Für die heimische Forschung wäre das ein wichtiger und notwendiger Impuls“, erklärt Forschungs-„Vize“ Bischof. Forschungseinrichtungen wie Joanneum Research sowie unsere Hochschulen – neben der TU Graz gilt auch die Fachhochschule Joanneum seit Jahren als steirischer Hotspot der Drohnen-Entwicklung – könnten Technologien gemeinsam mit innovativen Betrieben wie Infineon, Efkon, NXP, ams AG und Jungbetrieben wie den Drohnen-Fallschirm-Entwicklern von Drone Rescue Systems vorantreiben. „Rund um die Drohnen entsteht in den nächsten Jahren ein großer Markt, wo steirische Unternehmen vor allem mit Dienstleistungstechnologien reüssieren können“, ist sich Bischof sicher. Dafür soll mit der Testregion ein steirisches Fundament gelegt werden. Noch heuer soll die dafür entsprechende Bewerbung im Postkasten des Bunds landen – wohl noch durch den guten, alten Postler.

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