Warum ist der ATX derzeit einer der günstigsten Märkte Europas? Wie sieht die Entwicklung 2019 aus? Was bringt die DSGVO für die Finanzdienstleister? Und was gibt es Neues in Sachen Vorsorgevollmacht? Diesen und weiteren Fragen widmete sich die Veranstaltung „Finanzmarkttrends 2019“, zu der die steirischen Finanzdienstleister unlängst in die Karl-Franzens-Universität luden.

Hannes Dolzer, Fachgruppenobmann der steirischen Finanzdienstleister und österreichweiter Fachverbandsobmann ging zu Beginn auf die aktuellen Themen der Interessensvertretung ein, wo unter anderem die Umsetzung der Versicherungsvertriebsrichtlinie (IDD) im Fokus steht. Zu den Erfolgen des letzten Jahres zählt, dass für Vermögensberater die verpflichtende Vermögensschadenshaftpflichtversicherung abgewendet werden konnte. Ebenso wurde erreicht, dass keine Haftung für den Fall besteht, dass ein empfohlener Fonds eine geringere Performance aufweist, als ein anderer gleichwertiger Fond. Für 2019 steht u. a. die Umsetzung der IDD in den betrieblichen Alltag mit Checklisten, Musterformularen und Workshops im Fokus.

Zu billig gekauft?

Ein (zu) billiger Preis wird von vielen Menschen mit einer geringeren Qualität in Verbindung gesetzt. Anders ist das aktuell auf den europäischen Aktienmärkten, so Wolfgang Matejka, Chief Investment Officer der Wiener Privatbank, und ein erfahrener Fondsmanager. „Die Befürchtungen, dass die Konjunktur rapide abreißt, sind nicht eingetreten, sprich die Märkte sind 2018 insgesamt billiger geworden. Die meisten Gewinne blieben stabil oben, die Bewertungen gingen aber nach unten – auch beim ATX, der dadurch einer der günstigsten Märkte in ganz Europa blieb.“ Der Schlüssel zum Erfolg liegt für Matejka im selektiven Investieren. „Und da derzeit nur mehr 7 Prozent der Investmentfonds am Globus aktiv gemanagt werden, ist es auch für Berater nicht schwer, den Überblick zu behalten.“

Widmeten sich unlängst den Finanzmarkttrends 2019: (v. l.) Hannes Dolzer (steirischer Fachgruppen- und österreichweiter Fachverbandsobmann der Finanzdienstleister), Dagmar Gruber (Notariat Handl), Wolfgang Matejka (Wiener Privatbank), Oliver Zeisberger (Moderator), Friedrich Hinterschweiger (Obmann der Sparte Information und Consulting WKO Steiermark) (Credit: WKO/Frankl)
Widmeten sich unlängst den Finanzmarkttrends 2019: (v. l.) Hannes Dolzer (steirischer Fachgruppen- und österreichweiter Fachverbandsobmann der Finanzdienstleister), Dagmar Gruber (Notariat Handl), Wolfgang Matejka (Wiener Privatbank), Oliver Zeisberger (Moderator), Friedrich Hinterschweiger (Obmann der Sparte Information und Consulting WKO Steiermark) (Credit: WKO/Frankl)

Amerika bleibt ungewiss

Was Matejka für 2019 nicht mehr erwartet, sind regulatorisch bedingte Verkäufe, vor allem von Smallund Midcaps, bedingt auch durch die MiFID II, die in 2018 durchaus kursdrückend gewirkt hatten. Was die EU-Richtlinien betrifft, hat die Interessensvertretung der Finanzdienstleister wesentlich dazu beigetragen, die Auswirkungen auf die Branche möglichst gering zu halten. Zur Vorsicht mahnt Matejka, was den amerikanischen Markt betrifft. „Da wird immer stärker daran gezweifelt, dass die gute Konjunktur anhält.“ Die Handelsdiskussionen zwischen Amerika und dem Rest der Welt legen zusätzlich die Erwartung eines Anstiegs der Inflation nahe. „Ein weiteres Argument dafür, auf aktiv gemanagte Fonds zu fokussieren – auch im Rentenbereich.“ Bei einer Inflation von mehr als 2 Prozent, die die gesamte Anleiherendite übersteigt bleibt, bei Anleihen nichts an Ertrag übrig während gute Aktienfonds auch den inflatorischen Effekt an der Wurzel bekämpfen können, so der Experte.

Neues in Sachen Datenschutz

Seit der Einführung der DSGVO ist das Thema Datenschutz in aller Munde. Dagmar Gruber, Notarsubstitutin im Notariat Handl in Hartberg, erklärte ausgehend von einem Beispiel, was in Sachen DSGVO von den Finanzdienstleistern nunmehr zu beachten ist. „Was ist, wenn anstelle eines Dauerklienten dessen Ehegattin zu Ihnen ins Büro kommt und die Geschäfte des Mannes weiterführen 2/2 möchte, weil es diesem nicht gut geht? Dürfen Sie mit der Gattin über die Geschäfte ihres Mannes sprechen?“, gab Gruber ein Beispiel. In ihrem Vortrag erläuterte sie, was in solchen Situationen im Hinblick auf die DSGVO zu beachten ist.

Was dürfen Erwachsenenvertreter bzw. wer ist das?

Änderung gäbe es auch durch die Einführung des Erwachsenenschutzgesetzes bei den sog. Sachwalterschaften, weiß Gruber. „Der nahe Angehörige hat jetzt in vielen Dingen mehr Rechte bekommen. Sehr wohl hat das Gericht bei wesentlichen Vermögensentscheidungen aber dennoch ein Mitspracherecht.“ Auch hier schilderte die Notarsubstitutin anhand eines Fallbeispiels, welche Neuerungen das Erwachsenenschutzgesetzt für die Finanzdienstleister gebracht hat und welche Möglichkeiten sich in diesem Bereich durch Vorsorgevollmachten auftun.

 

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