Die momentan unsichere „Brexit-Situation“, also der womöglich drohende Austritt der Briten aus der EU, lässt auch steirische Firmen nicht kalt. Denn satte 875 Millionen Euro exportierten steirische Paradeunternehmen wie Magna, AT&S und AMES im abgelaufenen Jahr auf die britische Insel: Nur nach Deutschland, in die USA und nach Italien wanderten mehr heimische Produkte und Dienstleistungen – es lauern Verluste und neue Geschäfte in Millionenhöhe.

Herbert Wernigg: Knopf steht auf „Stop" für Dewesoft in Großbritannien. (Credit: CS)
Herbert Wernigg: Knopf steht auf „Stop“ für Dewesoft in Großbritannien. (Credit: CS)

Aktuell sei der Knopf auf „Stop“ gedreht, bestätigt Herbert Wernigg: „Multinationale Unternehmen haben ihre Investitionsvorhaben auf Eis gelegt. Dadurch spüren wir negative Auswirkungen des drohenden ‚Brexit‘“, sagt der Gründer und Geschäftsführer des Kumberger Messtechnik-Spezialisten Dewesoft, das mit einem Büro im Umkreis von London ansässig ist. Während Dewesoft unter dem „Brexit“ stöhnt, ergeben sich für den Peggauer Luftfahrt-Spezialisten AMES neue Möglichkeiten: „Schon jetzt haben britische Airlines damit begonnen, ihre Flugzeugflotten nach Österreich zu verlagern. Dadurch entsteht für uns ein neues Marktpotenzial“, erklärt AMES-Gründer Walter Starzacher. Es kommt zu Bewegung über den Wolken, wie Starzacher betont: „Ausflottungen und ein durch diese Verlagerungen höherer technischer und organisatorischer Unterstützungsbedarf sind die Folge.“ Allesamt Geschäftsfelder auf die sich der steirische Luftfahrtzulieferer – neben der Produktion von Innenraumkomponenten – spezialisiert hat.

 Über 99 Prozent der Produkte wandern bei AMES ins Ausland: Auch für „British Airways" arbeitet der Luftfahrtzulieferer
Über 99 Prozent der Produkte wandern bei AMES ins Ausland: Auch für „British Airways“ arbeitet der Luftfahrtzulieferer
Hugo Sampl: Komplizierte Lieferantenverhältnisse fürchtet Hugo Sampl (Credit: CS)
Hugo Sampl: Komplizierte Lieferantenverhältnisse fürchtet Hugo Sampl (Credit: CS)

Hugo Sampl: „Formularflut“

Martin Mössler: Intensive Gespräche mit der britischen Außenwirtschaft (Credit: Jungwirth)
Martin Mössler: Intensive Gespräche mit der britischen Außenwirtschaft (Credit: Jungwirth)

Während AMES von der Dynamik profitieren will, fürchtet der Gußwerker Federnerzeuger Hugo Sampl hingegen neue Zölle und mehr Bürokratie durch den Austritt Großbritanniens: „Die Kooperation mit unserem britischen Lieferanten wird schwieriger werden. Wir erwarten eine mittlere Formularflut“, meint Geschäftsführer Hugo Sampl. Um Probleme wie diese schon im Vorfeld aus dem Weg zu räumen, hat die Jungunternehmer-Schmiede Science Park Graz schon wichtige Akzente gesetzt: „Wir stehen in intensivem Kontakt mit strategischen Vertretern in London. Wir wollen, dass unsere Jungunternehmer weiterhin so einfach wie möglich am britischen Markt andocken können“, erklärt Geschäftsführer Martin Mössler.

AT&S: Gespräche mit Lieferanten

Die Hausübungen für die möglicherweise anstehende Verabschiedung der Briten aus der EU hat AT&S aus Leoben-Hinterberg schon gemeistert: „Um etwaigen Lieferengpässen aufgrund des „Brexit“ vorzubeugen, haben wir bereits Vorkehrungen getroffen. Mit den wenigen britischen Lieferanten sind wir bereits in Gesprächen“, sagt AT&S-CEO Andreas Gerstenmayer.

Andreas Gerstenmayer: Alle Aufgaben für den „Brexit" sind erledigt. (Credit: AT&S)
Andreas Gerstenmayer: Alle Aufgaben für den „Brexit“ sind erledigt. (Credit: AT&S)

Auch bei Autozulieferer Magna beobachtet man den nahenden „Brexit“ mit Argusaugen: Groß-Auftraggeber Jaguar Land Rover – der I-Pace und der E-Pace werden aktuell  in Graz produziert – hat im Fall des unkontrollierten EU-Austritts sogar mit dem Abschied von der Insel gedroht …

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