Mit einer neuen Technologie für Flugzeugkabinen will der Peggauer Luftfahrtinnenraumausstatter AMES in den nächsten Jahren Millionen erwirtschaften. Die Zulieferbetriebe Antemo und Hugo Sampl sind ebenfalls „mit an Bord“ – und der oststeirische Luftfahrtzulieferer M&H kann mit einer US-amerikanischen 3D-Druck-Software punkten.

AMES aus Peggau deckt den gesamten Lebenszyklus von Luftfahrt-Innenraumkomponenten ab - im Bild Firmenchef Walter Starzacher. (Credit: AMES)
AMES aus Peggau deckt den gesamten Lebenszyklus von Luftfahrt-Innenraumkomponenten ab – im Bild Firmenchef Walter Starzacher. (Credit: AMES)

16 Milliarden Euro Marktvolumen und Wachstumszahlen von mehr als acht Prozent – das Geschäft mit der Flugzeugkabine floriert. Nicht zuletzt aufgrund ungebrochen steigender Passagierzahlen. Davon profitiert aktuell auch der Peggauer Luftfahrtzulieferer AMES: Das Unternehmen, das sich auf die Modernisierung von Flugzeugkabinen spezialisiert hat, tauscht Beleuchtungssysteme, Teppiche, Sitze, In-Flight-Entertainment & Co. für Airlines und Leasinggesellschaften. „Das Interieur ist Alleinstellungsmerkmal Nummer eins für Fluggesellschaften, dadurch können sich Premiumlinien etwa von Billigchartern abgrenzen“, betont AMES-Gründer Walter Starzacher. Das Unternehmen selbst genießt über den Wolken einen Sonderstatus: „Weltweit gibt es kein mit uns vergleichbares Unternehmen, was die hohe Anzahl an Zertifizierungen in dieser Unternehmensgröße angeht. Konkret können wir durch Zulassungen der europäischen Luftfahrtbehörde EASA den gesamten Lebenszyklus von Innenraum-Komponenten abdecken – von der Entwicklung über die Produktion bis hin zur finalen Zulassung inklusive Instandhaltungsmanagement“, bestätigt Firmengründer Walter Starzacher.

Soll einen mittleren, einstelligen Millionenbetrag bis 2020 generieren: Die „Smart Glass"-Kabinentechnologie von AMES (Credit: AMES)
Soll einen mittleren, einstelligen Millionenbetrag bis 2020 generieren: Die „Smart Glass“-Kabinentechnologie von AMES (Credit: AMES)

„Umsatzturbo“
AMES sorgt auch für ein weiteres Novum: Der Peggauer Luftfahrtbetrieb stellt das erste zugelassene „Smart Glass“ für Anwendungen in der Flugzeug-Passagierkabine vor. Noch vor der Premiere der abblendendbaren Trenngläser entwickeln sich diese zum Umsatz-Turbo: „Aufgrund unserer Ankündigung haben wir bereits mehr als 100 Bestellungen verzeichnet“, freut sich Starzacher. Bis 2020 soll das Produkt einen mittleren, einstelligen Millionenbetrag an Umsatz generieren, rechnet der AMES-Gründer. Als Anhaltspunkt: Die Entwicklung des Kabinenprodukts hat rund 24 Monate gedauert, allein die Kosten für die Zulassung beliefen sich auf eine halbe Million Euro.
Mehr Sicherheit und Komfort
Den ersten Einsatz feiert das „Smart Glass“ in einem Airbus A320: Dort löst die Technologie den im Komfort unpraktischen Vorhang zwischen „Business“ und „Economy Class“ ab. „Bei Start und im Landeanflug wird der Sichtschutz innerhalb der Flugkabine elektrisch ausgeschaltet, um aus Sicherheitsgründen einen Überblick über sämtliche Passagiere gewährleisten zu können“, sagt Starzacher. Dementsprechend erhöht die AMES-Entwicklung den Komfort an Bord: „Das für die Passagiere lästige Auf- und Zuziehen der Vorhänge entfällt“, bringt es Starzacher auf den Punkt. Darüber hinaus erhöhe die neue Technologie durch den Einsatz von unbrennbaren Materialien die Sicherheit, betont der AMES-Gründer.

Martin und Herbert Brunner von Antemo setzen in der luxuriösen Innenraumaustattung von Flugzeugen Akzente. (Credit: Antemo)
Hugo Sampl-Geschäftsführer-Duo Roland Harrer und Hugo Sampl profitieren von den positiven Entwicklungen in der heimischen Luftfahrtzulieferbranche. (Credit: CS)
Hugo Sampl-Geschäftsführer-Duo Roland Harrer und Hugo Sampl profitieren von den positiven Entwicklungen in der heimischen Luftfahrtzulieferbranche. (Credit: CS)

Zulieferung durch steirische Betriebe
Im Sog von Leitbetrieb AMES profitieren auch steirische Zulieferunternehmen: Halterungen und Struktur-Anbindungen für das „Smart Glass“ kommen von Federnspezialist Hugo Sampl aus Gußwerk, die Gehäusebauteile vom Murtaler CNC-Bearbeiter Antemo. Die jüngste Entwicklung von Antemo: Ein elektrisch verstellbarer Business-Tisch für VIP-Jets. „Der Tisch ist mit einer induktiven Ladefläche für Smartphones ausgestattet und via App steuerbar. Im Bereich der hochluxuriösen Innenraumausstattung setzen wir damit ein Ausrufezeichen“, bestätigt Antemo-Boss Martin Brunner.

Ilzer mit US-Kooperation in Hamburg
Mit einer Software-Partnerschaft für den 3D-Druck sorgt das Ilzer Unternehmen M&H  für Aufmerksamkeit: „Die additive Fertigung bietet uns wesentlich raschere Umsetzungsmöglichkeiten. Das Entscheidende ist allerdings, den 3D-Druck schon zuvor in der Konstruktion zu berücksichtigen – hier liegt das wahre Know-how dieser Technologie“, erklären die beiden M&H-Geschäftsführer Patrick Herzig und Robert Mauerhofer. Dafür braucht es ein grundsätzlich neuen Ansatz in der Konstruktion, ist sich das Geschäftsführer-Duo sicher: „Wir erleben hier einen noch nie da gewesenen Wandel“, so Herzig und Mauerhofer unisono.

Durch die Partnerschaft mit dem US-amerikanischen Unternehmen Altair Inspire stellt M&H aus Ilz 3D-Druck-Teile in der Simulation auch in Bewegung dar. (Credit: M&H)
Durch die Partnerschaft mit dem US-amerikanischen Unternehmen Altair Inspire stellt M&H aus Ilz 3D-Druck-Teile in der Simulation auch in Bewegung dar. (Credit: M&H)

Mitunter werden aktuell konventionelle Konstruktionen additiv realisiert – das bringe jedoch keinen Vorteil, erklärt Herzig: „Die Konstruktion von Komponenten muss neu gedacht werden: Es braucht generatives Design und strukturelle Effizienz im Engineering – nur dann zahlt sich der 3D-Druck auch aus.“ In Österreich hat das steirische Unternehmen daher eine Partnerschaft mit dem amerikanischen Entwicklerstudio Altair Inspire aufgebaut. „Die Software arbeitet simulationsgetrieben und kann somit nicht nur 3D-Modelle designen, sondern auch Abläufe darstellen und Bewegungen wiedergeben. Für Fertigung von Interieurs-Komponenten in der Luftfahrt ist das eine mittlere Revolution“, ist sich Herzig sicher.

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