Dramatischer Einbruch bei den ausländischen Direktinvestitionen (FDI) in Europa! Laut einer Studie der internationalen Unternehmensberatung A.T. Kearney ziehen US-Firmen, ausgelöst durch die US-Steuerreform, ihre Gewinne aus Europa ab. Folge: Ein dickes Minus von 73 Prozent! Unter den Gewinnern des Rankings findet sich allerdings Österreich. Laut dem „Foreign Direct Investment Confidence Index® 2019 (FDICI)“ zählt die Alpenrepublik zu den Top-3-Aufsteigern des Jahres. Die Schweiz verlor hingegen vier Plätze, liegt aber immer noch weit vor Österreich (21.) auf dem 13. Platz. Weltweit am beliebtesten bei ausländischen Investoren sind die USA, gefolgt von Deutschland (+1) und Kanada (-1).

Ein dramatisches Bild zeichnet der neue „Foreign Direct Investment Confidence Index® 2019 (FDICI)“ der internationalen Unternehmensberatung A.T. Kearney für Europa. Laut dem Index, der auf einer jährlichen Befragung von mehr als 500 Führungskräften der Top-Unternehmen aus 30 Ländern beruht, gingen die ausländischen Investitionen stark zurück. „Unsere Studie zeigt, dass die Zuflüsse ausländischer Direktinvestitionen nach Europa 2018 um 73%, von 372 Milliarden auf 100 Milliarden Dollar, gesunken sind. Dafür verantwortlich zeichnet in erster Linie die US-Steuerreform. In den USA ansässige Unternehmen ziehen ihre im Ausland erwirtschafteten Gewinne lieber ab, statt sie – wie früher – wieder direkt zu investieren“, so Robert Kromoser, Managing Director und Büroleiter von A.T. Kearney Austria.

Trotzdem zählen die europäischen Industrieländer noch immer zu den beliebtesten Standorten für Investoren, belegen sie doch drei der Top-5-Plätze. So verbesserte sich Deutschland um einen Platz und rangiert hinter den USA  auf Platz 2. Nach Kanada (-1) folgen das Vereinigte Königreich auf Platz 4 und Frankreich (+2) auf Platz 5. Italien verbesserte sich um zwei Plätze auf Rang 8 und schaffte es damit – das zweite Jahr in Folge – unter die Top 10.

Analysiert die Investmentsituation in Österreich: Robert Kromoser, Managing Director und Büroleiter von A.T. Kearney Austria. (Credit: A.T. Kearney)
Analysiert die Investmentsituation in Österreich und Europa: Robert Kromoser, Managing Director und Büroleiter von A.T. Kearney Austria. (Credit: A.T. Kearney)

Österreich unter den Shootingstars

Immer attraktiver für ausländische Investoren wird Österreich. Belegte es im letzten Jahr noch den durchwachsenen Platz 24, konnte sich die Alpenrepublik 2018 auf Platz 21 verbessern. Dabei fällt auf, dass die größten Sprünge in mittelgroßen europäischen Märkten stattgefunden haben. Österreich stieg, nach Dänemark (+6) und Spanien (+4), ex aequo mit Belgien um drei Plätze. „Österreichs Sprung nach oben im Ranking beruht auf dem wirtschaftsfreundlichen Steuerumfeld. Das Steuersystem des Landes gilt als das zehntbeste System der Welt und übertrifft Länder wie die Vereinigten Staaten, Kanada und Deutschland mit großem Abstand“, analysiert Kromoser. Die Ankündigung, eine Digitalsteuer im Alleingang einführen zu wollen, wirkte hier allerdings dämpfend. Auch bei Forschung und Entwicklung (F&E) spielt Österreich ganz vorne mit. „Hier rangiert Österreich, hinter Schweden, sogar an zweiter Stelle und hat eine nationale Strategie zur Weiterentwicklung seines F&E-Know-hows entwickelt. Solche Maßnahmen werden wahrscheinlich dazu beitragen, dass ausländische Direktinvestitionen anziehen, da Investoren die technologischen Innovationsfähigkeiten eines Landes besonders stark gewichten.“

Investoren als „Ankündigungsweltmeister“

Ein paradoxes Bild zeichnet der Index, wenn es um die Aussagen über zukünftige Investments geht. Seit 2015 geht das Investitionsvolumen stetig zurück, obwohl Investoren regelmäßig eine Erhöhung ankündigen. So fiel das globale Investitionsvolumen von ca. 2 Billionen Dollar im Jahr 2015 auf nur 1,2 Billionen im vergangenen Jahr. Auch 2018 planen wieder fast vier Fünftel der Anleger die Direktinvestitionen anzuheben, nur fünf Prozent wollen sie reduzieren. Betroffen sind in erster Linie die Industrieländer, während die Investitionen in den Schwellen- und Entwicklungsländern konstant bleiben.

Megatrend Multilokalismus: City First, Country Second …

Auffällig ist der anhaltende Trend zum „Multilokalismus“. Diese Gegenbewegung zur Globalisierung setzt, angetrieben durch verändertes Konsumverhalten und neue Technologien, auf dezentralisiertes Handeln und eine starke Regionalisierung der Unternehmen. Untermauert wird diese These durch das Studienergebnis, dass für die Mehrheit der Anleger nicht die Länder der Ausgangspunkt für Investitionsentscheidungen sind, sondern die Städte. A.T. Kearney Zentraleuropachef Martin Eisenhut erklärt: „Fast 60 Prozent der Investoren legen mehr Wert auf die Stadt als Grundlage für die Auswahl von FDI-Destinationen als noch vor zwei Jahren. Entscheidend sind hier klassische Standortfaktoren wie z.B. Lohnkosten, das Angebot an Fachkräften, Wirtschaftlichkeit, Steuern und Abgaben, Marktgröße, aber auch die Sicherheit. Eine geringere Rolle bei der Entscheidungsfindung spielen Umweltfaktoren wie saubere Luft/Wasser oder das kulturelle Angebot.“

Optimistischer Ausblick für Europa – Angst vor politischer Instabilität

Brexit, Staatsschuldenkrise und US-Handelsstreit sorgen weiterhin für Verunsicherung und trüben den wirtschaftlichen Ausblick. Trotz Abkühlung der Weltwirtschaft zeigen sich immerhin 62 Prozent der Investoren mehr als optimistisch, was die globale Weltwirtschaft betrifft. Allerdings schwindet ihr Optimismus langsam. Auch für Europa und Eurasien sind die Investoren zuversichtlich. Waren vergangenes Jahr noch 27 Prozent eher optimistisch als pessimistisch, sind es dieses Jahr nur noch 18 Prozent. Die Investoren rechnen gerade in Industrieländern wieder mit höherer politischer Instabilität und wirtschaftlichen Risiken. Auch fürchten viele Investoren ein Ansteigen protektionistischer Vorschriften. Dagegen hat die Angst vor geopolitischen Spannungen abgenommen.

Schwellenländer: Schwach, aber mit positiven Aussichten

Nachdem die Industrieländer in den vergangenen Jahren Plätze an die Schwellenmärkte abgegeben hatten, erfolgte eine Trendwende. 2018 belegten die Industrieländer 22 der 25 Positionen im Index. Trotzdem stufen Investoren Risiken in Schwellenländern als geringer ein. Als aussichtsreichster Kandidat gilt hier China auf Platz 7. Die Volksrepublik liegt damit zwar so schlecht wie noch nie, gilt aber trotzdem als das Land mit dem höchsten Potential.

 

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