Mit Künstlicher Intelligenz (KI) lassen sich Produkte im Supermarkt automatisch aufs richtige Regal zuteilen, Dampfkessel effizienter betreiben, die Frische von Blumen überwachen und vieles mehr. Aber wie setzt man das um ‒ auch als KMU? Antworten gab es kürzlich im Smart Business Center Graz-West. Mit dabei bei „Smart Services und Künstliche Intelligenz – neue Entwicklungen und Trends“: ein bekannter Smart-Service-Experte von Fraunhofer IAO aus Stuttgart, die Unternehmen gridlab (Simulationstechnik und KI für die Industrie), SES-imagotag (steirischer Weltmarktführer für elektronische Preisschilder) und das Know-Center als KI-Umsetzungspartner für Unternehmen.

Das von der SFG betriebene Impulszentrum in der Reininghausstraße lud zu dieser IMPULS-LIVE-Veranstaltung, um steirischen Unternehmen mit Know-how und Kontakten beim Entwickeln von KIAnwendungen – im Speziellen für Smart Services – zu unterstützen.

Diskutierten die Anwendungen von Smart Services im Bereich der KMU: (v. l.) Thomas Mrak (SFG/Smart Business Center), Andreas Rössl (SES-imagotag), Robert Ginthör (Know-Center), Thomas Meiren (Fraunhofer IAO Stuttgart), Hermann Maier (gridlab), Helmut Aschbacher (Smart Service Consultant) (Credit: SFG/Lunghammer)
Diskutierten die Anwendungen von Smart Services im Bereich der KMU: (v. l.) Thomas Mrak (SFG/Smart Business Center), Andreas Rössl (SES-imagotag), Robert Ginthör (Know-Center), Thomas Meiren (Fraunhofer IAO Stuttgart), Hermann Maier (gridlab), Helmut Aschbacher (Smart Service Consultant) (Credit: SFG/Lunghammer)

„Erst durch Smart Services wird ein Mehrwert für Kunden geschaffen“

Als Keynoter war Thomas Meiren geladen, Leiter Service Engineering Fraunhofer IAO Stuttgart im Smart Business Center. Er sieht das Trendthema KI „als logische Fortführung von Industrie 4.0 und Digitalisierung. Unternehmen haben hier sowohl im Produkt- als auch im Dienstleistungsbereich die digitalen Voraussetzungen geschaffen, um nun auch KI einsetzen zu können. Insbesondere Großunternehmen investieren hier sehr stark, wie aktuelle Studien zeigen.“ Smart Services seien in Deutschland „eines der zentralen Themen in der Industrie“, so Meiren. „Sie dienen insbesondere der Kommerzialisierung im Rahmen von Industrie 4.0. Denn die alleinige Investition in Sensoren, Big Data etc. verursacht zuerst einmal nur Kosten – erst durch Smart Services wird ein Mehrwert für Kunden geschaffen und die Investitionen durch neue digitale Leistungsnagebote in Einkünfte umgewandelt.“ Meiren ging auch auf Beispiele ein, die zeigen, warum KI gerade für Smart Services vielfältige Möglichkeiten bietet. Möglichkeiten gäbe es u. a. im Bereich Predictive Maintenance (vorausschauende Wartung) oder über Chatbots, die zur automatisierten Beantwortung von Kundenfragen eingesetzt werden.

Frischere Blumen und „vorausschauendes Energiesparen“ in der Industrie

Auch das im Smart Business Center Graz angesiedelte Unternehmen gridlab, Experte für Simulationstechnik, arbeitet bereits mit KI. Geschäftsführer Hermann Maier: „Ich bin für eine sinnvolle Verbindung von menschlicher und Künstlicher Intelligenz.“ gridlab beschäftigt sich mit Strömungssimulationen, über die z. B. Energieeinsparungspotenziale für Dampfkessel in der Industrie eruiert werden können. Ein potentieller KI-Einsatzbereich ist die zustandsorientierte Anlagenwartung (Predictive Maintenance), um den Ausfall von Anlagenkomponenten frühzeitig und kostenoptimiert zu erkennen bzw. die Anlagenverfügbarkeit zu erhöhen. „Genau daran arbeiten wir“, erläutert Maier. Ganz wichtig für ihn: „Man braucht auch entsprechendes fachliches Know-how im jeweiligen Industriebereich, um KI zielgerichtet einsetzen zu können – also menschliche Intelligenz. Sonst funktioniert das nicht.“

gridlab kooperiert hier mit dem niederländischen Unternehmen Singulair Solutions, die basierend auf Forschungen an der TU Delft KI-Anwendungen für verschiedene Einsatzbereiche entwickelt. So werden z. B. Bildaufnahmen von Schnittblumen analysiert, um Alter und Qualität der Blumen anhand von Mustererkennungsalgorithmen zu identifizieren – ein wesentlicher Faktor im Verkauf und Transport für den globalen Blumenhandel in Holland

Keynoter Thomas Meiren von Fraunhofer IAO in Stuttgart gab einen Einblick in die KI-Anwendungen für Smart Services (Credit: SFG/Lunghammer)
Keynoter Thomas Meiren von Fraunhofer IAO in Stuttgart gab einen Einblick in die KI-Anwendungen für Smart Services (Credit: SFG/Lunghammer)

Automatische Regalplatzierung und Predictive Maintenance für den Handel

Seine KI-Anwendungen präsentierte im Smart Business Center auch SES-imagotag, steirischer Weltmarktführer für elektronische Preisschilder. Die Unternehmensgruppe beschäftigt sich seit 25 Jahren mit IoT, „wir haben bereits knapp 50 Mio. IoT-Geräte an unsere Cloud angebunden“, sagt Geschäftsführer Andreas Rössl. „KI wird von uns eingesetzt, um Produkte im Supermarkt mittels Kameras zu erkennen und so die Regalplatzierungen zu definieren. Weiters haben wir eine Plattform für Predictive Maintenance entwickelt, um Servicefälle schon zu erkennen, bevor sie eigentlich auftreten.“ Rössl sieht für KI noch großes Potenzial: „Wir arbeiten auch an einer Lösung, um die besten Preise voraussagen zu können, aber auch das Zusammenführen von Online-Stores mit dem stationären Filialen spielt eine wichtigere Rolle. Die Filiale entwickelt sich zu einem Mini-Lager für eCommerce Abwicklung und da gibt es noch viel zu optimieren.“

Umsetzungspartner für Unternehmen

Als Ansprechpartner für Kooperationen in der Steiermark stand Roland Ginthör vom Know-Center, Österreichs Forschungszentrum für data-driven business und big data analytics, bereit. Dieses unterstützt Unternehmen dabei, datengetriebene KI in ihre Business-Prozesse zu integrieren – gewissermaßen als ausgelagerte Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Unternehmen (vom Start-up bis zum Großkonzern). Außerdem bietet das Know-Center Schulungen und Beratungen zum Thema KI in Firmen an und bildet am Zentrum die vielgefragten Data Scientists aus, wovon Industrie und Wirtschaft nachhaltig profitieren. Roland Ginthör zu aktuellen KI-Projekten: „Die intelligente Assistentin Emma unterstützt ältere Menschen etwa dabei, länger selbstständig und alleine in den eigenen vier Wänden wohnen zu können – und zwar mit hoher Lebensqualität. Einerseits durch adaptive Verfahren der Sturzerkennung und diverse Hilfestellungen wie Termin-, Trink- und Medikamenteneinnahmeerinnerung. Andererseits durch das intelligente Koordinieren von Dienstleistern. Menschen, die zum Beispiel ihre Eltern pflegen, werden von einer digitalen Plattform dabei unterstützt, Dienstleister zu finden, die für die Pflegebedürftigen Einkäufe erledigen, den Rasen mähen oder auch kochen. Per Recommender sollen passende Dienstleister gefunden werden, um ein optimales Betreuungsprofil zu erstellen.“ Ein weiteres Beispiel: Die Studo App hilft Studierenden beim Organisieren ihres Studiums und bei der Suche nach passenden Jobs. Der dort integrierte Jobrecommender, der vom KnowCenter entwickelt wurde, empfiehlt Studierenden anhand ihres hochgeladenen CV’s, passende Stellenangebote. Ein Hauptanwendungsgebiet ist natürlich die gesamte produzierende Industrie – Schlagwort Industrie 4.0, wo es um Predictive Maintainace bis hin zu neuen datengetriebenen Geschäftsmodellen geht.

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