Seit zehn Jahren produziert die steirische AMES hochwertige Komponenten für den Flugzeuginnenraum. Über 100 verschiedene Kabinenprodukte wurden dabei entwickelt, das jüngste Peggauer Innenraum-Bauteil landet nun in 200 Flugzeugen einer südamerikanischen Airline. Die Wirtschaftskammer Steiermark und der Mobilitätscluster ACstyria betonen die Vorreiterrolle des Unternehmens.

Gratulieren zu Neo-Auftrag und Jubiläum: ACstyria-Geschäftsführerin Christa Zengerer, WK-Präsident Josef Herk und Hannes Tieber, Bürgermeister von Peggau, mit AMES-Gründer Walter Starzacher (l., sitzend) und AMES-Geschäftsführer Daniel Maier (v. l.) (Credit: AMES/Priesch)
Gratulieren zu Neo-Auftrag und Jubiläum: ACstyria-Geschäftsführerin Christa Zengerer, WK-Präsident Josef Herk und Hannes Tieber, Bürgermeister von Peggau, mit AMES-Gründer Walter Starzacher (l., sitzend) und AMES-Geschäftsführer Daniel Maier (v. l.) (Credit: AMES/Priesch)

Wenn AMES-Gründer Walter Starzacher an die Anfänge seines Unternehmens AMES denkt, huscht ein Ausdruck des Lächelns dicht gefolgt von einem ernsten Blick über seine Miene: „Wir konnten in keine Schublade eingeordnet werden. Die entsprechenden Formulare und bürokratischen Vorgänge konnten nicht auf unseren Unternehmensgegenstand umgelegt werden. Bis zur Gründung von AMES gab es das hierzulande nicht“, sagt Starzacher. Der Unternehmensgegenstand ist mittlerweile – dank der Vorreiterrolle des in Peggau beheimateten Flugzeugzulieferers – geläufig: das Umrüsten von Flugzeugkabinen, der sogenannte Retrofitmarkt. Stauschränke, Teppiche, In-Flight-Entertainment-Systeme und vieles mehr werden von AMES getauscht. Ein stark wachsendes Geschäft: Zuletzt wies der Retrofitmarkt ein Marktvolumen von 16,8 Milliarden Euro aus – bei einer Steigung von mehr als 8,1 Prozent. Bei AMES hatte man diese Entwicklung bereits 2004 prognostiziert: Zunächst als Entwicklungsbetrieb in der Luftfahrtindustrie, zwei Jahre später auch als eine der ersten europäischen Luftfahrt-Zertifizierungsstellen. Seit zehn Jahren produziert man am Firmenstandort in Peggau auch – von der der Europäischen Flugsicherheitsbehörde EASA – zertifizierte Kabinenbauteile. „Konkret können wir durch unsere EASA-Zulassungen den gesamten Lebenszyklus von Innenraum-Komponenten für alle Luftfahrzeugtypen abdecken – von der Entwicklung über die Produktion bis hin zur finalen Zulassung inklusive Instandhaltungsmanagement. Das macht uns zu einem One-Stop-Shop“, erklärt Starzacher.

Über 100 verschiedene Kabinenprodukte wurden von AMES bereits entwickelt. Die jüngste Entwicklung ist das „Smart Glass", eine Hightech-Trennscheibe. (Credit: AMES/Priesch)
Über 100 verschiedene Kabinenprodukte wurden von AMES bereits entwickelt. Die jüngste Entwicklung ist das „Smart Glass“, eine Hightech-Trennscheibe. (Credit: AMES/Priesch)

Produkt landet in Südamerika

Es ist ein Sonderstatus über den Wolken, den sich AMES erarbeitet hat: „Weltweit gibt es kein vergleichbares Unternehmen wie uns, was die hohe Anzahl an Zertifizierungen in dieser Unternehmensgröße angeht“, betont der AMES-Gründer. Nahezu jede große Airline oder Leasinggesellschaft macht sich dieses Know-how zunutze – aktuell etwa eine südamerikanische Airline: AMES zeichnet dabei von der Entwicklung bis zur besonders zertifizierungskritischen Integration von rund 200 neuartigen Hightech-Trennwänden. Das sogenannte „Smart Glass“, das klassische Vorhänge ersetzt, ist bereits in rund 100 Airbus A320-Modellen verbaut, 100 weitere sollen in den nächsten Monaten folgen.„Bei Start und im Landeanflug wird der Sichtschutz innerhalb der Flugkabine elektrisch ausgeschaltet, um aus Sicherheitsgründen einen Überblick über sämtliche Passagiere gewährleisten zu können“, sagt Starzacher. Erst im März hatte das Unternehmen das Innenraum-Produkt, die insgesamt bereits 100. Innovation des Unternehmens, auf der Hamburger Fachmesse für Flugzeuginterieur vorgestellt. Als Anhaltspunkt: Die Kosten für die Zulassung beliefen sich auf eine halbe Million Euro.

 Rasche Reaktionen auf Neo-Regelungen

Das Unternehmen hat damit auf eine erst unlängst durch die Europäische Flugsicherheitsbehörde eingeführte Regelung reagiert: „Die Stärke von AMES ist es, auf neue Regelungen in der Luftfahrt sehr rasch reagieren zu können und so den Kunden innovative Lösungen anzubieten. Fundament für diese Flexibilität ist unser hochkompetentes Team aus Luftfahrtingenieuren. Wir haben schon vor vielen Jahren erkannt, wie wichtig gut ausgebildete, zufriedene und hochmotivierte Mitarbeiter sind, daher unterstützen wir diese mit sämtlichen Möglichkeiten der Aus- und Weiterbildung“, betont Daniel Maier, Geschäftsführer von AMES. Diese Innovationsfreudigkeit von AMES sei „wesentlicher Treiber für die gesamte Luftfahrtbranche in der Steiermark“, betont Christa Zengerer, Geschäftsführerin des Mobilitätscluster ACstyria. Mehr als 80 steirische Unternehmen seien in der Luftfahrt tätig, dem Peggauer Betrieb komme dabei eine Vorreiterrolle zu. Denn: „Insbesondere im Bereich Zulassung und Kabineninterieur ist das Unternehmen ein wichtiger strategischer Partner für den Mobilitätscluster und zahlreiche steirische Betriebe“, erklärt die ACstyria-Geschäftsführerin.

Produzieren für den Weltmarkt und über 400 Airlines: AMES-Gründer Walter Starzacher und AMES-Geschäftsführer Daniel Maier (Credit: AMES/Priesch)
Produzieren für den Weltmarkt und über 400 Airlines: AMES-Gründer Walter Starzacher und AMES-Geschäftsführer Daniel Maier (Credit: AMES/Priesch)

Hohe Wertschöpfung durch AMES

Wirtschaftskammer-Präsident Josef Herk, der gemeinsam mit Walter Starzacher – und Antemo-Geschäftsführer Herbert Brunner – einst die Integration der Luftfahrt in den Mobilitätscluster ACstyria initiierte, betont: „Führende Innovationsunternehmen wie AMES tragen zu einer deutlichen Wertschöpfungssteigerung in der gesamten Steiermark bei. Jeder Arbeitsplatz von AMES führt zu vier weiteren in der Region.“ Allein der aktuelle Auftrag habe „zu 90 Prozent steirische Wertschöpfung“, betont Herk. Ins selbe Horn stößt Peggaus Bürgermeister Hannes Tieber: „Direkt gegenüber dem – mit regionalen Partnern erbauten Hauptquartier des Unternehmens – sind beispielsweise neue Arbeitsplätze in einer Schneiderei und in einer speziellen Luftfahrt-Druckerei entstanden. Diese produzieren für AMES unterschiedliche Vorhänge sowie spezielle Klebefolien für die Flugzeugkabine aber auch für die Luftfahrzeug-Außenhaut.“

Load More In Allgemein

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*

Check Also

„Home-Office“: Arbeiten zu Hause wird vermehrt toleriert

Das ortsunabhängige Arbeiten wird – zumindest bei Bürotätigkeiten – im digitalen Zeitalter…