Mit einer Software für Bodenkultur, einem „Performance Cockpit“ für Fluggesellschaften und einem Navigationsgurt für Sehbehinderte räumten drei steirische Start-ups unlängst bei den internationalen „Space Oscars“ ab. Die Basis für den Erfolg wird im Gründerzentrum der Weltraumagentur ESA in Graz gelegt.

HELSINKI. Um die Eigenschaften eines Bodens zu ermitteln, werden aktuell Bodenproben entnommen – per Hand, ehe sie ins Labor zur Auswertung geschickt werden. Bis Landwirten das Ergebnis vorliegt, vergehen Tage bis Wochen. „Unsere Software liefert das Ergebnis per Mausklick“, sagt Armin Schöpf, Mitbegründer des steirischen Start-ups Audili. Das junge Unternehmen hat eine Bodenmanagement-Lösung entwickelt, die wesentlich zeit- und kostensparender als herkömmliche Analyseverfahren ist. „Für Landwirte entsteht dadurch eine völlig neue, verbesserte Entscheidungsgrundlage. Diese ist wiederum Basis für einen regenerativen Ackerbau“, erklärt Schöpf. Schlüssel für die Innovation ist eine Weltraumtechnologie, denn gespeist wird die steirische Bodenanwendung mit Daten aus lichten Höhen: Zur Analyse zieht Audili Satellitenbilder heran.

Wurden bei den „Space Oscars“ in Finnland ausgezeichnet: die Audili-Gründer Armin Schöpf, Patrick Leiter, Stefan Schöpf
Wurden bei den „Space Oscars“ in Finnland ausgezeichnet: die Audili-Gründer Armin Schöpf, Patrick Leiter, Stefan Schöpf

Weltraumtechnologien in Geschäftsmodelle verwandeln
Audilis Innovationskonzept ist bewährt – und kommt bereits seit drei Jahren in der Steiermark zum Einsatz: Denn im Gründerzentrum der Weltraumagentur ESA in Graz, wo auch das Jungunternehmen seinen Hauptsitz hat, werden Weltraumtechnologien strategisch in Geschäftsmodelle verwandelt. „Weltraumtechnologien begegnen uns jeden Tag in Form von Wettervorhersagen, Navigationssystemen, Erdbeobachtungen und vielem mehr. Mit der Unterstützung des ESA-„Business Incubation“-Programms wollen wir die Rahmenbedingungen schaffen, damit neue Geschäftsmodelle auf Basis von Weltraum-Technologien in Österreich gestaltet werden können“, erklärt ESA-Gründerzentrum-Manager Martin Mössler. Jährlich werden rund zehn solcher Start-ups in der Steiermark entwickelt – durchaus mit internationaler Schlagkraft, wie die „Space Oscars“ in Finnland unlängst bewiesen: Denn gleich drei steirische Hightech-Start-ups aus dem Gründerzentrum wurden beim internationalen Innovationswettbewerb ausgezeichnet. „Diese international beachteten Erfolge der hochinnovativen Start-ups sprechen für die Effizienz und Zielgerichtetheit der steirischen Weltraumaktivitäten“, freut sich Mössler.

Wandeln Weltraum-Know-how in ein Geschäftsmodell über den Wolken um: die Aeroficial Intelligence-Gründer Julian Jank, Johannes Schuster, Markus Stadlmair und ESA Gründerzentrum-Manager Martin Mössler (2. v. l.)  (Credit: Oliver Wolf)
Wandeln Weltraum-Know-how in ein Geschäftsmodell über den Wolken um: die Aeroficial Intelligence-Gründer Julian Jank, Johannes Schuster, Markus Stadlmair und ESA Gründerzentrum-Manager Martin Mössler (2. v. l.) (Credit: Oliver Wolf)
Innovativ: Katerina Sedlackova (r.) bringt mit ihrem Start-up einen Navigationsgurt für Sehbehinderte auf den Markt.
Innovativ: Katerina Sedlackova (r.) bringt mit ihrem Start-up einen Navigationsgurt für Sehbehinderte auf den Markt.

„Performance Cockpit“ für Airlines
Konkret: Neben Audili (Gewinner des „BayWa Smart Farming“-Challenge) sicherte sich Katerina Sedlackova, Entwicklerin eines Navigationsgurts für Sehbehinderte (Kategorie „Galileo 5G IoT-Challenge“) die begehrte Auszeichnung. Den Gesamtsieg, den sogenannten „Galileo Masters“, konnte mit Aeroficial Intelligence ebenso ein steirisches Unternehmen aus dem Grazer ESA-Gründerzentrum verbuchen. Julian Jank, Johannes Schuster und Markus Stadlmair haben ein „Performance Cockpit“ entwickelt, in dem durch die Analyse von Flugverkehrsdaten etwa zeitliche Verschiebungen prognostiziert werden können. Betriebliche Prozesse sollen so auf mögliche Verspätungen abgestimmt werden: „Fluggesellschaften aber auch Flughafenbetreiber können dadurch effektiver wirtschaften und Einsparungen erzielen“, erzählt Jank. Das „Performance Cockpit“ des jungen Unternehmens hat dabei ebenso seinen Ursprung im All: Denn auch bei Aeroficial Intelligence kommen die Daten aus von unterschiedlichen Satellitensystemen.

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