Serienanläufe, Testphasen und Kundenprojekte landen coronabedingt im Moment nur in der Warteschleife – das trifft vor allem die steirischen Jungunternehmer. Mit 150 Millionen Euro greift der Staat den Start-ups nun in Form von Garantien und Zuschüssen unter die Arme: Von einer „überlebensnotwendigen Maßnahme“ spricht man im steirischen Gründerzentrum des Science Park Graz, wo man trotzdem von einem dramatischen „Härtetest“ für die Start-ups ausgeht – und ein neues Investitions-Anreizmodell vorlegt.

Bitte warten heißt es aktuell Volterio-Lenker Christian Flechl (Credit: Volterio)
Bitte warten heißt es aktuell Volterio-Lenker Christian Flechl (Credit: Volterio)
Zeit zum Markteintritt verlängert sich: Hans-Jürgen Griesbacher von Trever (Credit: Trever)
Zeit zum Markteintritt verlängert sich: Hans-Jürgen Griesbacher von Trever (Credit: Trever)

Hochmoderne Online-Marktplätze mit innovativen Krypto-Bezahlmechanismen ausstatten: Das steirische Start-up Trever ist in der digitalen Welt zuhause, doch selbst dort ist man vor „Corona“ aktuell nicht sicher. „Es kommt vor allem bei Kunden von uns zu Verzögerungen. Dadurch wird sich auch die Zeit, bis wir mit unseren Produkten und Dienstleistungen auf den Market kommen, verlängern“, bestätigt Trever-Co-Gründer Hans-Jürgen Griesbacher. Den Fokus legt man beim Hightech-Unternehmen daher aktuell auf die Software, „um unser Produkt fertig zu entwickeln und danach gestärkt starten zu können“, so der Chef des sechsköpfigen Hightech-Betriebs. Ähnlich ist die Situation bei Christian Flechl: Auch beim Chef des Automotive-Zulieferers Volterio – das Jungunternehmen entwickelt ein vollautomatisiertes Ladesystem für E-Fahrzeuge – heißt es im Moment: Bitte warten! „Wir sind dabei, unsere Technologie zum Standardverfahren für das Laden von E-Fahrzeugen zu machen. Dennoch sind aktuell Abstimmungen in den wesentlichen internationalen Normierungsgremien mit den Autoherstellern auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Die geplanten Serienanläufe werden sich noch weiter hinauszögern. Darauf müssen wir uns einstellen“, weiß Flechl. Dennoch will der Geschäftsführer der Krise auch Positives abgewinnen: „Jede Ausnahmesituation hat das Potenzial, Neues herbeizuführen und größere Einschnitte zu machen. Daher bin ich überzeugt, dass die E-Mobilität nach „Corona“ in einer noch nie da gewesenen Dimension Einzug halten wird.“ Volterios und auch Trevers Liquidität sei aufgrund Auftragsarbeiten und Förderungsprogrammen gegeben, betonen die Gründer.

Weiß-grüner Ruf nach neuen Investitionsanreizen

Schlägt ein neues Anreizmodell für Investitionen vor: Science Park Graz-Geschäftsführer Martin Mössler (Credit: SPG/Jungwirth)
Schlägt ein neues Anreizmodell für Investitionen vor: Science Park Graz-Geschäftsführer Martin Mössler (Credit: SPG/Jungwirth)

Aktuell sei das die Regel, erklärt Martin Mössler, Geschäftsführer der „Gründerschmiede“ Science Park Graz: „Die Forschungsförderungsprogramme von SFG, FFG und aws sichern unseren Jungunternehmen aktuell das Überleben. Sie sind die Existenzgrundlage, denn die Anwendung von neuen Start-up-Technologien ist vor allem in großen Konzernen angesichts der aktuellen Krise hinten angestellt. Dementsprechend gestaltet sich die Kundenakquise für junge Unternehmen gerade sehr herausfordernd“, bestätigt Mössler. Die beschriebenen Verzögerungen würden zu einem dramatischen Härtetest führen, so der Science Park Graz-Geschäftsführer: „Für Start-ups ist die „time-to-market“, also die Produkteinführungszeit, oft entscheidend. Denn in dieser Zeit entstehen für das Unternehmen Kosten, ohne dabei viel Umsatz zu erzielen. Durch ‚Corona‘ wird diese Zeitspanne länger und damit zur großen Herausforderung“, erklärt Mössler. Das aktuelle Start-up-Hilfspaket der Regierung sei daher „ein wichtiges Zeichen für die heimische Jungunternehmer-Landschaft. Es besichert die Existenz unserer innovativen Jungunternehmen und damit über mehrere Tausend Arbeitsplätze allein in der Steiermark.“ Gemeinsam mit dieser Maßnahme habe man im Science Park Graz auch auf zusätzliche neue Steueranreize für Investoren gehofft, sagt Mössler: „In unseren Überlegungen soll das Risiko von Investoren mit einem Steuervorteil – nach dem Vorbild von Großbritannien – begünstigt werden. Die steuerliche Absetzbarkeit von Investitionen in qualitätsgesicherte Hochtechnologie-Startups könnte den aktuell hohen Liquiditätsbedarf der Start-ups begünstigen.“ Entscheidender Vorteil des steirischen Vorschlags: Für den Staat entstehen keine weiteren Kosten, das Risiko bleibt bei den Investoren.

 

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