Die Wälder in der EU haben seit 1990 um 14 Millionen Hektar zugenommen; diese Ausweitung innerhalb von drei Jahrzehnten entspricht fast der Fläche von Österreich, der Slowakei und Slowenien zusammen. Diese Fakten sind ein wichtiges Ergebnis des Global Forest Resources Assessment 2020 (FRA) über den Status und die Trends der weltweiten Waldressourcen. Der Bericht wurde kürzlich von der Forstabteilung der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) herausgegeben.

Franz Titschenbacher, Präsident des Österreichischen Biomasse-Verbandes (Credit: Foto Fischer)
Franz Titschenbacher, Präsident des Österreichischen Biomasse-Verbandes (Credit: Foto Fischer)

„Die erhebliche Waldzunahme im Ausmaß von jährlich fast einer halben Million Hektar ist ein Beleg dafür, dass Europas Wälder seit Generationen nachhaltig bewirtschaftet werden“, kommentiert Franz Titschenbacher, Präsident des Österreichischen Biomasse-Verbandes. „Das ist auch ein Verdienst unserer verantwortungsbewussten Familienforstwirtschaft, denn auch beim Anteil von durch private Waldbauern bewirtschaftetem Wald ist Europa Spitzenreiter.“

Nachhaltige multifunktionale Waldwirtschaft als Schlüssel zum Erfolg

In der nachhaltigen und multifunktionalen Waldbewirtschaftung sieht Titschenbacher den Schlüssel zum Erfolg: „Der Begriff der forstlichen Nachhaltigkeit mit dem Prinzip, nicht mehr Holz aus dem Wald zu nutzen, als in der gleichen Zeit wieder nachwächst, wurde bereits 1713 – also vor mehr als 300 Jahren – im deutschsprachigen Raum, im Herzen Europas geprägt. Unser Wald ist Lebensraum für Tiere und Pflanzen, Erholungs- und Freizeitoase, bietet Schutz vor Naturgefahren, versorgt uns mit Trinkwasser und sauberer Luft und liefert Holz und Energie. Darüber hinaus leistet er einen unverzichtbaren Beitrag zum Klimaschutz. Mit dieser multifunktionalen Waldbewirtschaftung unterscheiden wir uns deutlich von anderen Teilen der Welt, wo einige Waldflächen unter Totalschutz gestellt werden, aber andere in Form intensiver Plantagenwirtschaft als reine Holzfabriken betrieben werden.“

„Die generationsübergreifend nachhaltige Bewirtschaftung beinhaltet die Produktion von hochwertigem Säge- und Industrieholz sowie die Nutzung von Resthölzern als nachwachsender klimaneutraler Energieträger“, erklärt Titschenbacher. „Bioenergie ist mit einem Anteil von etwa zwei Dritteln der wichtigste erneuerbare Energieträger in der EU. Die Holznutzung als Baustoff und Energieträger ersetzt fossile Brennstoffe und energieintensive Materialien wie Stahl, Beton oder Kunststoffe. In Österreich sparen wir dadurch jährlich mehr als 12 Millionen Tonnen Treibhausgase ein.“

Die Holznutzung als Baustoff und Energieträger ersetzt fossile Brennstoffe und energieintensive Materialien wie Stahl, Beton oder Kunststoffe. (Credit: Simlinger/Bundesforste)
Holznutzung als Baustoff und Energieträger ersetzt fossile Brennstoffe und energieintensive Materialien wie Stahl, Beton oder Kunststoffe. (Credit: Simlinger/Bundesforste)

Steigende Holzvorräte in EU und Österreich durch aktive Waldbewirtschaftung

Die aktive Waldbewirtschaftung mit entsprechenden Einkommensmöglichkeiten im ländlichen Raum hat nicht nur zu einer Ausweitung der Waldfläche, sondern auch zu einer Erhöhung der Holzvorräte in der EU um 8 Milliarden Festmeter seit 1990 geführt. Diese Steigerung entspricht dem 7-fachen Holzvorrat Österreichs. Mitteleuropa gehört zu den Regionen mit den weltweit höchsten Holzvorräten. In Österreich liegt der durchschnittliche Holzvorrat mit beinahe 300 Festmetern um mehr als das Doppelte über dem globalen Schnitt. Insgesamt ist der heimische Holzvorrat in den letzten 50 Jahren um die Hälfte angestiegen und hat mit fast 1,2 Milliarden Festmeter ein Allzeithoch erreicht.

EU-Top 5 bauen Erneuerbare aus und steigern die Holzvorräte

Besonders beeindruckend ist die Leistung der EU-Staaten mit den höchsten Anteilen von erneuerbaren Energien am Gesamtenergieverbrauch: Schweden, Finnland, Lettland, Dänemark und Österreich. Diese fünf Vorreiter haben es geschafft, ihren Anteil an erneuerbaren Energien mit ambitionierter Bioenergienutzung in den vergangenen Jahren um mehr als 30 Prozent zu heben und gleichzeitig den Holzvorrat in ihren Wäldern deutlich zu erhöhen. „Diese Good Practice kann weltweit als Vorbild dienen“, ist Titschenbacher überzeugt.

Credit Beitragsbild: Pritz/Bundesforste

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