Die Corona-Pandemie hat den österreichischen Unternehmen in den letzten Monaten einiges abverlangt. Entsprechend verhalten schätzen sie laut einer aktuellen Studie von Deloitte und SORA die Stimmung am Markt ein. Innerhalb des eigenen Betriebes überwiegt jedoch der Optimismus. Gleichzeitig gibt es einen großen Wunsch nach Veränderung: Die Unternehmen fordern nachhaltige Maßnahmen und wollen keine Rückkehr zu alten Mustern. Die Senkung der Lohnnebenkosten ist die nachdrücklichste Forderung. Außerdem stehen die langfristige Flexibilisierung der Arbeitswelt und die Ökologisierung des Steuersystems im Fokus. Denn auch in der durch COVID-19 ausgelösten Krise ist der Klimawandel nicht aus den Köpfen der Führungskräfte verschwunden – ganz im Gegenteil.

Im Rahmen des Deloitte Unternehmensmonitors wurden diesen Juli 614 Führungskräfte aus repräsentativ ausgewählten österreichischen Unternehmen ab 50 Mitarbeitern von SORA telefonisch befragt. Das Ergebnis der größten derartigen Umfrage Österreichs: Im eigenen Betrieb überwiegt trotz Krise ein grundsätzlicher Optimismus. Rund zwei Drittel der Befragten bewerten die Stimmung sowohl in der Unternehmensleitung als auch in der eigenen Belegschaft positiv.

Jenseits der Unternehmensgrenzen fällt die Einschätzung ambivalenter aus: Mehr als die Hälfte der Befragten glaubt, dass es ihren Kunden und ihrer Branche aktuell eher schlecht geht. „Mitten in der Corona-Krise haben die österreichischen Unternehmen ihren Optimismus nicht verloren – das ist eine erfreuliche Überraschung. Dennoch nimmt die Sorge um die Marktentwicklung spürbar zu. Die Unternehmen verengen in dieser Situation aber nicht ihren Horizont, sondern sind bereit für nachhaltige Veränderungen“, erklärt dazu Christoph Hofinger, Geschäftsführer von SORA.

„Für die Politik bedeutet dieses Stimmungsbild aus der Wirtschaft nun die einmalige Chance zur Gestaltung. Im Herbst müssen die Pflöcke für einen echten Neustart nach Corona eingeschlagen und so die Weichen für eine zukunftsfähige Wirtschaft gestellt werden. Die Stichworte sind Nachhaltigkeit und Entlastung“, betont Bernhard Gröhs, CEO von Deloitte Österreich.

Am wichtigsten sind den österreichischen Unternehmen jetzt Reformen, die ihre Wirkung direkt im Betrieb entfalten. (Credit: freepik.com)
Am wichtigsten sind den österreichischen Unternehmen jetzt Reformen, die ihre Wirkung direkt im Betrieb entfalten. (Credit: freepik.com)

Reformbedarf: Altbekannte Forderungen werden laut

In puncto regulatorisches Umfeld belegt die Studie: Am wichtigsten sind den österreichischen Unternehmen jetzt Reformen, die ihre Wirkung direkt im Betrieb entfalten. Neun von zehn Befragten fordern eine Senkung der Lohnnebenkosten (95 %), eine steuerliche Entlastung nicht entnommener Gewinne (92 %) sowie Vereinfachungen bei Förderungen (90 %). Im Gegenzug zu diesen Erleichterungen würde die Mehrheit dafür auch andere Abgaben akzeptieren – allen voran im Energiebereich.

„Akuthilfen machen Sinn und bringen kurzfristige Lösungen. Langfristig braucht es aber nachhaltige Maßnahmen wie die Senkung der Lohnnebenkosten und die nachhaltige Förderung von Investitionen. Diese Forderungen sind lange bekannt, brennen aber jetzt besonders unter den Nägeln“, so Bernhard Gröhs. Mehr als die Hälfte der Unternehmen ist laut Umfrage bereit, auch selbst zu investieren: In die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter, in die Digitalisierung sowie in die Umsetzung von Umweltmaßnahmen.

Doppelte Krisenbewältigung: COVID-19 und Klimawandel bereiten größte Sorgen

Die Krisenmonate haben Spuren hinterlassen. Im Vorjahr waren nur 24 % über die Umsatz- und Gewinnentwicklung besorgt, heuer sind es ganze 52 %. Dennoch sehen 57 % der generellen Entwicklung des eigenen Betriebes eher zuversichtlich entgegen. Hinsichtlich des internationalen Umfelds und der globalen Herausforderungen zeigen sich die Unternehmen dagegen sorgenvoll. Das meiste Kopfzerbrechen bereiten die sozialen Folgen der COVID-19-Krise (75 %) und die mittelfristige Konjunkturschwäche (70 %).

Aber auch wenn die Corona-Krise allgegenwärtig ist – der Klimawandel ist nicht aus den Köpfen verschwunden. Er stellt für mehr als zwei Drittel (68 %) der Befragten eine Sorge dar. Das bedeutet im Vergleich zum Vorjahr sogar einen Anstieg um 16 Prozentpunkte.

„Natürlich steht für viele Unternehmen jetzt das wirtschaftliche Überleben im Fokus. Aber trotz COVID-19 sorgt das Klimathema für viel Betroffenheit. Das beweist, wie wichtig den Unternehmen eine substanzielle Veränderung ist. Sie setzen bei ihren betriebswirtschaftlichen Entscheidungen nun verstärkt auf Nachhaltigkeit und Stabilität, dafür rücken Expansion und Risiko in den Hintergrund“, analysiert Karin Mair, Partnerin bei Deloitte Österreich.

Langfristige Corona-Folgen: Mehr Flexibilität in Österreichs Arbeitswelt

Viele Folgen der Corona-Krise werden die österreichische Wirtschaft laut den Befragten noch länger begleiten. So hat die Pandemie langfristige Auswirkungen auf Arbeitsprozesse und die Unternehmenskultur: Home Office, Online-Meetings und mehr Selbstverantwortung werden auch in Zukunft bleiben. 74 % rechnen mit einer langfristigen Zunahme der Flexibilität in der Belegschaft hinsichtlich ihrer Arbeitsweisen und Aufgaben, 70 % erwarten auch flexiblere betriebliche Strukturen. Gesundheitsfördernde Maßnahmen rücken bei 69 % in den Fokus.

„Die rasche Umstellung bestehender Arbeitsweisen hat überwiegend gut funktioniert – und wird laut unserer Befragung von vielen beibehalten. Die Unternehmen haben ihre Flexibilität und Resilienz in den letzten Monaten unter Beweis gestellt. Nun braucht es gezielte Initiativen seitens der Politik – zum Beispiel mit klaren, leicht umsetzbaren Regeln für das Home Office. So kann das Wirtschaften in diesem grundlegend veränderten Umfeld erleichtert werden“, ergänzt Karin Mair abschließend.

(Beitragsbild – Credit: <a href=’https://www.freepik.com/photos/chinese‘>Chinese photo created by whatwolf – www.freepik.com</a>)

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