Wer in der Steiermark von Headhunting spricht, kommt an 2Strigo-Geschäftsführer Christian Heinz nicht vorbei: Seit über einem Jahrzehnt ist der passionierte Jäger auch beruflich auf der Jagd – und zwar nach der idealen Besetzung.

Worauf kommt es beim professionellen Headhunting an?

Heinz: Es gibt viele Aspekte, die für ein erfolgreiches Direktansprache-Projekt entscheidend sind. Einer davon ist das sogenannte „Profiling“. Dabei versuchen wir ein Kandidatenprofil zu erstellen, um die perfekte Person für die offene Stelle zu finden. Eine Stellenbeschreibung alleine reicht dabei meist nicht aus. Zu oft passiert es, dass ein Kandidat zwar die gewünschten Kenntnisse hat, aber trotzdem nicht den Anforderungen entspricht. Daher führen wir vorab immer intensive Gespräche mit der Geschäftsleitung, der Abteilungsleitung und dem Personalmanagement. Wir müssen wissen, warum die Position so schwierig zu besetzen ist. Denn nur so können wir die richtige Person finden.

Wo liegen hier die Schwierigkeiten?

Heinz: Ein großes Risiko ist der Sympathiefaktor. Ein potentieller Kandidat muss mir nicht sympathisch sein, um für den Klienten der Richtige zu sein. Ein weiterer wichtiger Faktor ist auch die Erwartungshaltung auf beiden Seiten. Hier gehen wir sehr offen mit unseren Klienten und den Kandidaten um. Wir bauen Vertrauen auf, damit wir auch über Dinge sprechen können, die noch Verbesserungspotential haben.

Was macht einen guten Headhunter aus?

Heinz: Ich muss die Sprache meines Klienten sprechen. Als Headhunter bin ich quasi ein Doppelfilter zwischen den Parteien, und nur wenn ich etwas vom Geschäft der beiden verstehe, kann ich gezielt nach den wichtigen Informationen suchen und diese an den jeweils anderen weitergeben.

Darüber hinaus muss Disziplin an den Tag gelegt und diplomatisches Geschick bewiesen werden. Aber auch die Fähigkeit, Fehler einzugestehen ist wichtig.

Christian Heinz unterstützt mit „2strigo“ Unternehmen bei der Suche nach dem perfekten Mitarbeiter. (Credit: strigo.com)

Sie kommen ursprünglich aus dem Maschinenbau. Spezialisieren Sie sich daher eher auf die Metallindustrie?

Heinz: Nicht zwingend. Jedoch wird jemand aus dem Bankenbereich sofort merken, dass ich mit dem Fachjargon weniger vertraut bin als mit der technischen Sprache. Trotzdem betreiben wir bei jedem neuen Kunden stundenlange Recherchen, sehen uns die Betriebe vor Ort an, um zu sehen, wie die Produktion abläuft und welche Menschen dort arbeiten. Wir müssen ein Gespür dafür bekommen, welcher Typ zum Klienten passt und was ihn dort wirklich erwartet.

In welchen Branchen arbeiten Headhunter hauptsächlich?

Heinz: Das sehe ich nicht so branchenspezifisch. Viel entscheidender ist die Position. Wir werden engagiert, um schwer besetzbare Positionen zu vermitteln, die wesentliche Auswirkungen für das Geschäft unserer Klienten haben.

Können Sie dafür ein Beispiel nennen?

Heinz: Einer unserer Klienten ist ein „Big Player“ des Baugewerbes in Afrika.

Derzeit wird für ein Leuchtturmprojekt in Westafrika ein Constructionmanager gesucht. Bei diesem Job steht einiges auf dem Spiel, denn hier hat man die Möglichkeit, seinen Fußabdruck in der Geschichte der Baubranche zu hinterlassen. Dafür muss man aber bereit sein, für zwei bis drei Jahre nach Afrika zu gehen. Davor gibt es allerdings einiges zu klären, da diese Entscheidung die gesamte Familie des Kandidaten betrifft.

Was hat sich durch die Digitalisierung und durch soziale Netzwerke wie LinkedIn oder Xing geändert?

Heinz: Personen über LinkedIn oder Xing zu kontaktieren ist noch lange kein Headhunting, da gehört wesentlich mehr dazu. Diese Netzwerke sind vielmehr ein zusätzliches Tool, das bei der Recherche vorab hilft.

Sie werden bei Ihrer Arbeit auch von einer neuartigen Software unterstützt. Wie läuft dadurch der Arbeitsalltag ab?

Heinz: Jedes Projekt ist individuell. Es kann durchaus passieren, dass bereits der erste Kandidat, den wir zum Vorstellungsgespräch laden, die ideale Besetzung ist. Es kann aber auch durchaus sein, dass 300 Kandidaten in 120 verschiedenen Unternehmen in Frage kommen. Dadurch entsteht eine Vielzahl an Informationen, die miteinander in Korrelation gebracht werden müssen. Um bei dieser Vielzahl an Informationen einen Überblick zu behalten, unterstützt uns diese Software sehr.

Wie kann man sich das konkret vorstellen?

Heinz: „SimplyPlex“, so der bisherige Arbeitstitel der Software, begleitet uns bei zahlreichen Arbeitsschritten und übernimmt zusätzlich die Aufgabe der Dokumentation sämtlicher Informationen. Dadurch können wir auch unterwegs auf unsere Datenbanken zugreifen.

Wie wichtig ist für Sie Employer Branding?

Heinz: Ausgesprochen wichtig. Wir sind täglich mit Menschen konfrontiert, die ihre Firma verlassen und zu neuen, beruflichen Ufern aufbrechen. Der Grund ist immer, weil sie in ihren aktuellen Firmen nicht das finden, was sie sich wirklich erhoffen.

Unsere Mitarbeiter bekommen außerdem täglich vor Augen geführt, wie viel man in anderen Branchen verdient. In welcher Branche sonst kommt es so klar an die Oberfläche, dass die Bezahlung allein nicht der alles entscheidende Faktor für einen guten Arbeitsplatz ist?

Ich biete eine Dienstleistung mit Mehrwert und für diese muss ich auch leben.

(Beitragsbild – Credit: Furgler)

Interview: Andrea Dettenweitz

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