In dieser Woche startet das Wintersemester an den Universitäten und Fachhochschulen in Österreich, damit am 2. Oktober auch der berufsbegleitende Masterlehrgang „Technische Dokumentation“ an der FH JOANNEUM in Graz. Was diese Ausbildung so einzigartig macht, erklärt Lehrgangsleiterin Martina König im Interview.

Frau König, den Masterlehrgang „Technische Dokumentation“ gibt es seit drei Jahren an der FH JOANNEUM. Wozu braucht man diese Ausbildung?

Martina König: Bisher ist der Beruf des technischen Redakteurs in Österreich noch nicht so etabliert wie im Rest von Europa oder Amerika. Wir bieten an der FH JOANNEUM eine fundierte Ausbildung zum technischen Redakteur, die mit dem Abschluss Master of Science endet.

Welche Aufgaben zählen zum Berufsbild des technischen Redakteurs?

Lehrgangsleiterin Martina König im Interview (Credit: Lisa Fleck/FH Joanneum )
Lehrgangsleiterin Martina König im Interview (Credit: Lisa Fleck/FH Joanneum )

König: Er muss unsere komplexe Welt in eine einfache Sprache bringen können – und dies in Zeiten der Digitalisierung auf allen neuen Medien. Dabei gilt es, Produktbeschreibungen so präzise wie möglich zu formulieren und auf diverse Risiken hinzuweisen.

Dieser Beruf ist doch auch mit einigen Risiken verbunden, nicht wahr?

König: Ja, in der Tat! Doch darum behandeln wir im Unterricht an der FH auch alle rechtlichen Grundlagen, die nötig sind, um diese Risiken zu minimieren.

Von welchen Risiken sprechen wir dabei konkret?

König: Vor allem im Bereich der Medizin oder Luftfahrt ist Lebensgefahr nicht ausgeschlossen. Gerade deshalb sind eine fundierte Ausbildung und eine anwenderorientierte, normgerechte Dokumentation umso wichtiger.

An der FH JOANNEUM wird „Technische Dokumentation“ als Lehrgang und nicht als Studiengang geführt. Worin liegen die Unterschiede?

König: Bei einem Lehrgang müssen die Lehrinhalte nicht durch die AQ Austria akkreditiert werden, sondern intern im Innovationsausschuss. Dafür braucht man auch eine Bedarfs- und Akzeptanzanalyse von Vertretern der Industrie und Wirtschaft, die bestätigen, dass Absolventinnen und Absolventen dieses Lehrgangs am Arbeitsmarkt benötigt werden. Der große Unterschied liegt aber darin, dass man nicht zwingend einen Bachelorabschluss braucht, um an einem Lehrgang studieren zu können. Es reichen auch die Matura oder Berufsreifeprüfung sowie Berufserfahrung. Allerdings tragen die Studierenden die Kosten für das Studium selbst.

In welcher Höhe fallen diese Kosten an?

König: Pro Semester ist ein Beitrag in der Höhe von 3.500 Euro zu bezahlen. Wir werden jedoch von der SFG gefördert, wodurch sich Klein- und Mittelbetriebe einen großen Anteil der Ausbildungskosten zurückholen können, wenn sie Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in die Weiterbildung entsenden.

Welche Vorteile haben die Studierenden, wenn sie an der FH JOANNEUM studieren?

König: Wir haben hier eine gewisse Vorreiterstellung, da es nur zwei weitere ähnliche Ausbildungen zum Technischen Redakteur / zur Technischen Redakteurin auf universitärem Niveau in Österreich gibt. Unsere Studierenden schließen den Lehrgang nach bereits eineinhalb Jahren mit dem Master of Science ab. Während dem Studium arbeiten sie praxisorientiert in Kleingruppen.

Die Gruppenkonstellation ist dabei sehr unterschiedlich, wobei auch voneinander gelernt wird, da die Teilnehmer aus unterschiedlichen Sparten und mit unterschiedlichem Vorwissen zu uns kommen.

Die Fachhochschule ist vor allem für den praxisorientierten Unterricht bekannt. Ist es bei „Technische Dokumentation“ genauso?

König: Wir arbeiten sehr eng vernetzt mit Industrie und Wirtschaft. Beinahe alle unsere Studierenden arbeiten hauptberuflich und können daher am Montag anwenden, was sie am Samstag bei uns lernen. Der Unterricht ist praxis- und projektorientiert. Erst letztes Jahr haben wir zum Beispiel einen Bottlefiller gesponsert bekommen, und unsere Studierenden konnten dafür eine Risikobeurteilung schreiben.

Worauf kommt es im Berufsfeld des technischen Redakteurs an?

König: Man muss vor allem vielseitig sein. Kommunikation, Technik und Design sind die zentralen Elemente des Berufsfeldes. Auch die Digitalisierung spielt zunehmend eine große Rolle.

Ist der Masterlehrgang deshalb auch im Department für Medien und Design angesiedelt?

König: Ja, das geht vor allem auf die Anfänge zurück. Die Idee für den Lehrgang kam damals von Werner Schwaiger, der die technische Dokumentation bei BMW in München leitete. Da er selbst Grazer ist und davor bereits mit Heinz M. Fischer, dem Leiter des Departments für Medien und Design, Kontakt hatte, kam er auf ihn zu und hat in ihm einen Mann mit einem offenen Ohr für lebenslanges Lernen gefunden. Natürlich würden wir thematisch auch in die Technik passen, doch durch Industrie 4.0 und die verschiedenen Aspekte der bildlichen Gestaltung, des Sprachmanagements und der Typografie eben auch zu Medien und Design.

Wie viele technische Redakteure werden jedes Jahr ausgebildet?

König: Maximal haben wir 18 Studienplätze zu vergeben, im Durchschnitt bilden wir 15 Personen pro Jahr aus.

Warum nur so wenige?

König: Das hat hauptsächlich damit zu tun, dass der Lehrgang noch so jung und unbekannt ist. Programme wie Uni4Life sind mittlerweile etabliert, aber dass die FH JOANNEUM auch Erwachsene berufsbegleitend ausbildet, ist noch eher unbekannt. Durch einen Universitätslehrgang wird das Berufsbild des technischen Redakteurs auch aufgewertet, weshalb sich dieser Beruf langsam, aber sicher auch in Österreich etabliert.

Haben Absolventen des Lehrgangs danach gute Jobchancen?

König: Wir  erhalten laufend Anfragen von Firmen, die unsere Absolventen übernehmen wollen. Aber meistens ist es so, dass Arbeitnehmer von ihrer Firma geschickt werden, um den Lehrgang bei uns zu absolvieren. Unsere

Absolventen steigen meistens durch ihre Ausbildung an der FH JOANNEUM weiter auf, werden zum Beispiel Abteilungsleiter oder machen sich selbstständig.

Wie sieht es mit der Geschlechterverteilung aus?

König: Wir predigen immer „Frauen in die Technik“ und wir können wirklich sagen, dass wir zur Hälfte Männer und zur Hälfte Frauen ausbilden.

Gibt es noch freie Plätze für den Semesterstart am 2. Oktober?

König: Ja, die gäbe es noch. Jetzt heißt es aber schnell sein.

Wie läuft der Unterricht durch Corona ab?

König: Im Moment ist geplant, dass wir zwei Drittel der Lehrveranstaltungen in Präsenz unterrichten und das restliche Drittel online. Sollte sich durch die steigenden Infektionszahlen die Situation ändern, können wir jederzeit auch auf 100 Prozent Onlinelehre umstellen. Das hat letztes Semester ausgezeichnet geklappt und wird auch im Wintersemester keine Hürde darstellen. Jedoch würde ich es sehr begrüßen, zumindest die ersten Wochenenden in Präsenz abzuhalten, damit sich unsere Studierenden kennenlernen können, was das Lernen und das Miteinander in der Gruppe viel einfacher und angenehmer macht.

(Beitragsbild – Credit: freepik)

Interview: Andrea Dettenweitz

 

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