Das Smart Business Center Graz-West macht Unternehmen das Potenzial von Smart Services bewusst. Es fungiert als offene Plattform, an der sich alle Interessierten beteiligen können und organisiert Info-Events, wie etwa die kürzlich abgehaltene „IMPULS>>LIVE“-Veranstaltung. Neben dem SmartBusiness-Experten Christoph H. Wecht von der Universität St. Gallen erläuterten steirische Unternehmen wie Wirecard CEE und AVL, wie sie Smart Services nutzen. Die große Nachfrage nach der Veranstaltung zeigt das immense Potenzial des Themas.

 Keynoter Christoph H. Wecht zeigte zahlreiche Praxis-Beispiele für Smart Services (Credit: SFG/Lunghammer)
Keynoter Christoph H. Wecht zeigte zahlreiche Praxis-Beispiele für Smart Services (Credit: SFG/Lunghammer)

Die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen, um bestehende Angebote zu verbessern. Flexibler und vorausschauender agieren („präemtiv“), zum Beispiel frühzeitig erkennen, dass eine Maschine gewartet werden muss oder dass ein Kunde bald wieder Bedarf an einem bestimmten Produkt hat: all diese Handlungsweisen fallen in den Bereich der „Smart Services“. Mithilfe von Smart Services kann die Qualität von Produkten/Angeboten immens gesteigert werden und sich dadurch von Billiglohnländern abheben. Zusätzlich lassen sich neue Marktpotenziale erschließen.

„Produktinnovationen reichen heute leider nicht mehr, um sich zu differenzieren, auch wenn das Jahrzehntelang anders war. Es gibt ganze Branchen, die in 15 Jahren wohl nicht mehr existieren“, verweist Christoph H. Wecht etwa auf die Verbrennungsmotorenhersteller. Wecht kommt ursprünglich aus dem Maschinenbau und hilft seit 20 Jahren Unternehmen dabei, smarte Geschäftsmodelle auf die Straße zu bringen. Er ist Leiter des Bachelorstudiengangs Management by Design an der New Design University (NDU) in St. Pölten und hat einen Lehrauftrag für Technologiemanagement an der Universität St. Gallen. Dort hat er bereits das Kompetenzzentrum für Open Innovation geleitet.

Alle Unternehmen profitieren vom Smart Business Center

Das von der SFG betriebene Smart Business Center konnte den Experten bei der IMPULS>>LIVE-Veranstaltung „Smart Services: Treiber für neue Geschäftsmodelle im Zeichen der Digitalisierung“ in Graz begrüßen, um die Potenziale von Smart Services aufzuzeigen. „Die Veranstaltung war innerhalb weniger Tage ausgebucht, auch das zeigt das große Interesse der Unternehmen am Thema Smart Service“, freut sich Zentrumsleiter Thomas Mrak. „Das Smart Business Center beheimatet innovative Unternehmen, die Smart Services bereits erfolgreich einsetzen. Und wir stehen auch Unternehmen darüber hinaus als Plattform zur Verfügung, etwa in dem wir Unternehmen mit Start-ups und Forschern vernetzen.“

Neue Geschäftsmodelle entwickeln

Keynoter Wecht zeigte sich bei IMPULS>>LIVE überzeugt: „Man kann sich heute nur mehr über Geschäftsmodelle differenzieren.“ Er betont, dass der Kundennutzen im Mittelpunkt stehen muss – es reiche auch in Zeiten der Plattform-Ökonomie nicht aus, „nur“ eine eigene Plattform zu machen. „Es geht um das Nutzerversprechen: Welchen Wert kann ich mit meiner Einzigartigkeit für ein Plattform-Ökosystem schaffen?“ Der Experte plädiert für mehr agiles Denken und verweist auf das bekannte Zitat von Tom Kelley: „Fail often so you can succed sooner.“ Dazu Wecht: „Wie kann ich möglichst schnell lernen und die ‚richtigen Fehler‘ früher als die Konkurrenz machen? Wie arbeite ich interdisziplinär zusammen? Was das betrifft, gibt es in der Wirtschaft noch großes Potenzial. Deshalb haben wir an der New Design University auch den weltweit ersten BWL-Bachelor für Design Thinking aufgebaut.“ Mit seiner Plattform GRANTIRO richtet sich Wecht an Unternehmen, die mit ihren Geschäftsmodellen bereits „ins Schleudern“ gekommen sind. Gerade Unternehmen, die keine stabile Markposition (mehr) haben, können von smarten Geschäftsmodellen immens profitieren.

 v.l. Diskutierten über Smart Services als Treiber für neue Geschäftsmodelle im Smart Business Center: Christoph H. Wecht (Uni St. Gallen, New Design University St. Pölten), Helmut Aschbacher (Smart Service Consultant), Axel Puwein (Wirecard CEE), Martin Mössler (Science Park Graz), Thomas Mrak (SFG/Smart Business Center), Andreas Aldrian (AVL), Peter Kastner (telbiomed) (Credit: SFG/Lunghammer)
v.l. Diskutierten über Smart Services als Treiber für neue Geschäftsmodelle im Smart Business Center: Christoph H. Wecht (Uni St. Gallen, New Design University St. Pölten), Helmut Aschbacher (Smart Service Consultant), Axel Puwein (Wirecard CEE), Martin Mössler (Science Park Graz), Thomas Mrak (SFG/Smart Business Center), Andreas Aldrian (AVL), Peter Kastner (telbiomed) (Credit: SFG/Lunghammer)

Smart Services für den Zahlungsverkehr

Ein Unternehmen, das das Potenzial von Smart Services bereits für sich erkannt hat und erfolgreich nutzt, ist Wirecard CEE, Mieter im Smart Business Center (SBC) und auch bei IMPULS>>LIVE am Podium. Das Unternehmen hat sich auf die bargeldlose Zahlungsabwicklung im Fernabsatz (größtenteils E-Commerce) spezialisiert und bietet dabei Rundum-Services an. Kurzum: Man nützt die Möglichkeiten der Digitalisierung, um Händler im Fernabsatz ganzheitlich zu betreuen und proaktive Lösungen anzubieten – ein klassisches Smart Service. Im Falle von Wirecard CEE werden daher Rundum-Services wie Risikomanagementlösungen, Data Analytics und Retail Banking Services angeboten, um sämtliche Vertriebskanäle – online, mobil oder am POS – weiter voranzutreiben. Roland Toch, Managing Director von Wirecard CEE über die Unternehmensentwicklung: „Begonnen haben wir vor 18 Jahren als klassischer Payment-Service-Provider. Heute sind wir Österreichs marktführender Komplettanbieter für Payment-Services.“

Mehr Selbstverantwortung der Patienten durch Smart Services

Auch im Gesundheitssektor bieten Smart Services immenses Potenzial, wie Peter Kastner vom Grazer Standort des AIT Austrian Institute of Technology erläutert. Kastner ist auch einer der Geschäftsführer des Spin-offs telbiomed der AIT Austrian Institute of Technology GmbH, ebenfalls im SBC angesiedelt. Telbiomed übernimmt als Partner der AIT den Vertrieb und die Dienstleistungen rund um die Telegesundheits-Innovation KIT Telehealth, das bei AIT entwickelt wurde und bereits in der realen Gesundheitsversorgung eingesetzt wird: Von den Tirol Kliniken ist der Routinebetrieb im gesamten Bundesland Tirol vorgesehen, vom LKH Hochsteiermark (Bruck, Leoben und Mürzzuschlag) im Rahmen eines Pilotprojekts sowie von der Versicherung für Eisenbahnen und Bergbau (VAEB) österreichweit. Bei KIT Telehealth handelt es sich um ein System, mit dem Patienten Blutdruck, Blutzucker, Herzfrequenz und andere Gesundheitsdaten dokumentieren können. In laufender Abstimmung mit medizinischem Personal können damit das Wissen um die Therapie und die Eigenverantwortung des Patienten gefördert werden. Es hilft dabei, Besuche im Krankenhaus zu reduzieren. Das Besondere daran: „Wir haben uns nicht auf die Technik beschränkt, sondern auch die Menschen und die Versorgungsprozesse miteinbezogen. Mit dem HerzMobil 4- Säulenmodell bestehend aus Schulung, Monitoring, Therapieanpassung und Kommunikation sind wir Vorreiter in diesem Bereich. Pflegefachkräfte und niedergelassene Ärzte im Herzschwäche-Versorgungsnetz nehmen dabei eine entscheidende Rolle ein“, erläutert Kastner.

Von der Automobil-Industrie bis hin zu Start-ups

Andreas Aldrian, Smart Service-Experte bei AVL List, zeigte im Rahmen des Events die Besonderheiten des Automotiv-Marktes im Kontext Smart Service bzw. Digitalisierung im Allgemeinen auf. Martin Mössler, Geschäftsführer Science Park Graz, fokussierte die Start-ups: „Die Automatisierung von Dienstleistungen ist in einer von Multichannel-Lösungen geprägten Welt wesentlich. Für Start-ups ist der Smart Service-Bereich deshalb bedeutsam, da in neuen Sektoren ‚first mover‘ mit hoher Umsetzungsgeschwindigkeit meist belohnt werden.“

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