Österreichisches Start-Up mit Co-Founder Toni Innauer und Ärztekompetenzzentrum machen Innovation von Hubert Egger marktfähig

Entwickelte in Zusammenarbeit mit Saphenus Medical Technology und einem Tiroler Ärzteteam die weltweit erste fühlende Beinprothese: Hubert Egger (Credit: Brixsana)
Entwickelte in Zusammenarbeit mit Saphenus Medical Technology und einem Tiroler Ärzteteam die weltweit erste fühlende Beinprothese: Hubert Egger (Credit: Brixsana)

Hubert Egger ist eine weitere Sensation gelungen: Nach der Entwicklung der weltweit ersten gedankengesteuerten Armprothese steht nun die Markteinführung der „fühlenden“ Beinprothese bevor. Realisiert wurde die Marktfähigkeit von dem österreichischen Startup Unternehmen Saphenus Medical Technology, unter Mitwirkung von Co-Founder Toni Innauer. Etwa 50 Prozent der Prothesenträger leiden an Phantomschmerzen. Oftmals können bisher nur schwere Schmerzmittel (z.B. Opiate, Morphin) vorübergehende Linderung bewirken. Langfristige nachhaltige Therapieformen haben sich bisher nicht durchgesetzt.

Co-Founder von Saphenus: Toni Innauer (Credit: Matthias Berke)
Co-Founder von Saphenus: Toni Innauer (Credit: Matthias Berke)

Weltweites Interesse – Medizinprodukt zur Serienreife entwickelt.

Als Hubert Egger vor vier Jahren von der fühlenden Beinprothese berichtete – gezeigt wurde ein erstes Funktionsmuster – ging diese Nachricht um die Welt. Gezeigt wurde damals ein Testanwender mit dem ersten Funktionsmuster, das an chirurgisch umgeleitete und reaktivierte sensorische Nerven ansetzt. Nach vierjähriger Entwicklungsarbeit hat das österreichische Unternehmen Saphenus das Bionik-Konzept übernommen und das darauf basierenden Prothesen Add-on „Suralis“ zur Serienreife entwickelt: Damit kann jede bestehende Prothese (unabhängig vom Hersteller) nachgerüstet werden kann. Olympiasieger Mag. Toni Innauer – Saphenus-Mitgründer der ersten Stunde – freut sich, dass die Markteinführung in wenigen Wochen starten kann: „Der bionische Ansatz verbessert die Lebensqualität enorm“, so Innauer.

Medizintechnikprodukt in Kooperation mit Ärzteteam zur Serienreife entwickelt. 

Das Tiroler Ärzteteam mit Hubert Egger (l.) und Alexander Gardetto (r.) leistet Pionierarbeit. (Credit: Brixsana)
Das Tiroler Ärzteteam mit Hubert Egger (l.) und Alexander Gardetto (r.) leistet Pionierarbeit. (Credit: Brixsana)

Nach der ersten klinischen Fallstudie von Hubert Egger sowie Eva Maria Baur mit ihrem Team vom Universitätsklinikum Innsbruck wurde das Ärzteteam um Alexander Gardetto von der Südtiroler Klinik Brixsana ergänzt und um Studien erweitert. Das Tiroler Ärzteteam leistet Pionierarbeit und hat die sensorische Nervenumleitung für das neue Medizinprodukt weltweit das erste Mal bei einem Menschen mit Oberschenkelamputation durchgeführt: „Die Berücksichtigung des technischen Fortschritts in der Prothetik ist in jeder Phase der prothetischen Versorgung und gerade bei chirurgischen Amputationen wichtig. Ziel ist es, dass Betroffene rasch davon profitieren und chronische Schmerzen möglichst zu keinem Zeitpunkt im Leben auftreten“, so Alexander Gardetto.

Phantomschmerz – ein bisher ungelöstes Problem

Viele Menschen mit Amputationen leiden unter ganz besonderen Schmerzen, sogenannten Phantomschmerzen: Weil das Gehirn – vergeblich – versucht, Informationen vom nicht mehr vorhandenen Fuß abzurufen, verstärken sich diese Schmerzen. Bis dato hat sich zur nachhaltigen Behandlung von Phantomschmerzen keine Therapie durchgesetzt. Mit der Erfindung der fühlenden Prothese bekommt das Gehirn wieder sensorische Informationen. Hubert Egger hat mit einem Team an Ärzten eine Methode entwickelt, bei der Betroffene ihren durch Amputation verlorenen Fuß wieder spüren. Eva-Maria Baur (Univ. Klinik Innsbruck bzw. Garmisch-Partenkirchen, Deutschland) und Alexander Gardetto in der Südtiroler Klinik Brixsana waren an jahrelangen klinischen beteiligt, die den Erfolg der TSR-Methodik dokumentieren.

Die Prothese mit dem Zusatzteil Suralis bekommt „Fühleigenschaften“. (Credit: Andreas Mühlenberend)
Die Prothese mit dem Zusatzteil Suralis bekommt „Fühleigenschaften“. (Credit: Andreas Mühlenberend)

Technische Innovation: Add-on Suralis macht Beinprothese fühlend und erhöht die Sicherheit beim Gehen

Das Prothesen Add-on Suralisist ein patentiertes Feedbacksystem, mit dem jede bestehende Prothese (unabhängig vom Hersteller) nachgerüstet werden kann. Es wurde vom renommierten Industriedesigner und Professor der Bauhaus Uni Weimar, Andreas Mühlenberend, gestaltet.

Suralis besteht aus:

  • Einem Sensor-Innenschuh, der die Abrollbewegungen beim Gehen aufnimmt.
  • Einer Funkübertragung: überträgt die Abrollbewegung an den Amputationsstumpf.
  • Die Aktoren-Einheit gibt die Informationen der Abrollbewegung an die Nerven jenes Hautareals weiter, das zuvor zur Aufnahme der Abrollinformation chirurgisch vorbereitet wurde. Diese nicht-invasive Informationsübertragung wird vom Gehirn als Information des verlorengegangenen Fußes wahrgenommen.
  • Das Ergebnis: Der Phantomschmerz geht zurück oder kann vollständig eliminiert werden.
  • Ein weiterer Vorteil: durch das authentische Fühlen wird die unterschiedliche Beschaffenheit des Bodens erkannt. Das verbessert die Gangstabilität und macht Gehen sicherer.
  • Das Prothesen Add-on Suraliswird von einem zertifizierten Orthopädietechniker angepasst und kann auch in Kombination mit einer weiteren Wechselprothese verwendet werden.

Marktstart in Österreich, Süddeutschland und Südtirol

Ab sofort können Betroffene unter saphenus.commelden und nähere Informationen abrufen. Jeder Versorgung geht eine ausführliche ärztliche Prüfung sowie eine orthopädietechnische Beratung an mehreren Standorten voraus. Anmeldung über die Website saphenus.com:

  • Universitätsklinik Innsbruck
  • Privatklinik Brixsana (Brixen/Südtirol)
  • Praxisgemeinschaft Garmisch-Partenkirchen

Die nächsten Schritte – Ausbau von Kooperationen und Internationalisierung

„Wir wollen nicht nur im D-A-CH-Raum präsent sein, die Zusammenarbeit mit Kliniken und Orthopädietechnikern in weiteren europäischen Ländern wird im nächsten Schritt angestrebt. Wir wollen die Kooperationen mit Kliniken und wissenschaftlichen Einrichtungen noch weiter intensivieren und die Prothesenhersteller als Partner gewinnen“, betont Rainer Schultheis, Geschäftsführer von Saphenus Medical Technology. Ein weiterer Meilenstein für die Expansion ist die FDA-Zulassung (Food and Drug Administration, USA), um auch im nordamerikanischen und australischen Markt präsent zu sein. Saphenus arbeitet mit führenden Wissenschaftern im In- und Ausland zusammen und kooperiert unter anderem auch mit der AUVA (Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt) im Bereich Sensorik in der Exoprothetik.

 

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