Steirische Klein- und Mittelbetriebe stellen die Weichen für die Zukunft: Auf der zu den weltgrößten Bahnzuliefermessen gehörenden Innotrans lässt alle voran die Leibnitzer Software-Schmiede BOOM mit einer innovativen Instandhaltungssoftware aufhorchen.

BERLIN. Mit über 1.200 Stundenkilometern von San Francisco nach Los Angeles: Das soll der Hyperloop, ein futuristisches Rohrentransportsystem ermöglichen – zumindest wenn es nach den Verantwortlichen des US-amerikanischen Unternehmens Hyperloop Transportation Technologies (HTT) und Konkurrent Hyperloop One auf der internationalen Leitmesse für Bahnverkehrstechnik, der Innotrans 2016, geht.

Über 3.000 Fach-Aussteller besuchten die Innotrans 2016
Über 3.000 Fach-Aussteller besuchten die Innotrans 2016.

Weichen für Hightech-Systeme gestellt

Das Hightech-Transportsystem zählt auf der Messe mit über 130.000 Fachbesuchern und 3.000 Ausstellern aus über 60 Ländern zu den größten Zukunftstrends und könnte die Mobilität der Zukunft revolutionieren. Auch die Deutsche Bahn (DB) bekundete während der Messe ihr Interesse: Schon jetzt arbeitet das Unternehmen mit HTT an unterschiedlichsten Projektionslösungen, um auf Fensterscheiben Landschaften, visuelle Fahrgastinformationen oder Filme abzuspielen.

Stellte auf der Messe eine innovative Instandhaltungssoftware vor: BOOM-Geschäftsführer Andreas Schaller (m.)
Stellte auf der Messe eine innovative Instandhaltungssoftware vor: BOOM-Geschäftsführer Andreas Schaller (m.)

Hohe Instandhaltungskosten

Bis diese Visionen auch auf Schiene sind, dürften allerdings noch einige Jahre vergehen – die Umsetzer der einstigen Idee von Vordenker Elon Musk nennen den Zeitraum 2020 bis 2022. Gegenwärtig hadert die Branche mit ganz anderen Problemen – wie etwa den hohen Instandhaltungskosten von Bahnverkehrskomponenten. Das bestätigt auch Andreas Schaller, Geschäftsführer des steirischen Bahnzulieferers BOOM Software: „Die Wartung und Überholung von Bahnverkehrsanlagen verschlingt mindestens rund zwei Drittel der Lebenszykluskosten.“ Der 60-Mann-Betrieb hat dafür auf der Innotrans eine probate Lösung präsentiert – und sich damit ins Zentrum des Interesses katapultiert.

20 Prozent Einsparung
Konkret: Das BOOM-System erkennt den Zustand der Bahnkomponente und errechnet auf Basis dieser in Kombination mit Erfahrungswerten den optimalen Zeitpunkt für das Instandhaltungsservice. „So wird einerseits das Risiko gesenkt, dass ein Teil zu Bruch geht. Anderseits können so kostenintensive, nicht notwendige Services eingespart werden. Im Schnitt sparen Bahnunternehmen so rund 20 Prozent der Instandhaltungskosten durch unsere Software ein“, erklärt Schaller.

Vorteile für den Konsumenten

Auch für den Bahnkonsumenten bringt die Software Vorteile: Störungen oder gar Bahnausfälle sollen durch die Software künftig der Vergangenheit angehören – davon profitiert auch Österreichs größte Bahngesellschaft: Seit 1999 setzen die ÖBB auf das Leibnitzer Know-how. „Die rund 42.000 Schienenfahrzeuge, die wir für die ÖBB verwalten, sollen möglichst störungsfrei unterwegs sein. Exakte Terminplanung der Instandhaltung und kurze Wartezeiten sind in diesem konkreten Fall natürlich von besonders hoher Wichtigkeit“, unterstreicht der BOOM-Geschäftsführer, den der Besuch der Messe zuversichtlich stimmt: „Wir sind aktuell bereits in über 40 Ländern – von Deutschland bis Kamerun – in unterschiedlichsten Branchen wie eben der Mobilität, Energie und Industrie aktiv. Hier sehen wir durch die Tätigkeiten in diversen Geschäftsfeldern große Synergiepotenziale – von der schließlich auch die Bahn profitiert.“

BOOM-Geschäftsführer Andreas Schaller
BOOM-Geschäftsführer Andreas Schaller

Mehr Expansionschancen

Vor allem in den USA, Skandinavien und dem Iran sieht Schaller weitere Möglichkeiten, mit dem System Fuß fassen zu können. Priorität genießt derzeit allerdings Deutschland: Dort ist BOOM bereits mit einem Standort – und zehn Mitarbeitern – nahe Bremen vor Ort.

Liezen im Glanz des ICE 4

Präsenz auf der Innotrans zeigt auch die Maschinenfabrik Liezen (MFL): Wenige Tage nach der Präsentation des neuen Flaggschiffs der Deutschen Bahn (DB), dem ICE 4, herrscht gute Stimmung bei den Obersteirern, wurde doch das „neue Rückgrat des deutschen Fernverkehrs“ (DB-Chef Rüdiger Grube) mit hochpräzisen Hauptquerträgern aus Liezen ausgestattet. „Die Produktion der Komponenten, von denen wir rund 2.000 herstellen, ist bereits gut angelaufen“, erklärt Herbert Decker, MFL-Geschäftsführer.

Auch Gussteile aus Liezen sind im ICE4 der Deutschen Bahn verbaut, erklärte MFL-Geschäftsführer Herbert Decker
Auch Gussteile aus Liezen sind im ICE4 der Deutschen Bahn verbaut, erklärte MFL-Geschäftsführer Herbert Decker

Auch Gusskomponenten aus Liezen

Er enthüllte auf der Innotrans auch, dass tausende Gussteile aus Liezen im ICE4 verbaut worden sind: „Für die Baugruppen: Drehgestelle, Wagenkasten, Türsystem und Kupplungssystem haben wir zehn verschiedene hochpräzise Gusskomponenenten in einem Ausmaß von rund 40.000 Stück geliefert“, so Decker.

Im Gespräch: Andreas Schaller (BOOM Software) und Herbert Decker (MFL)
Im Gespräch: Andreas Schaller (BOOM Software) und Herbert Decker (MFL)

Hohes Wachstumspotenzial

Die MFL ortet generell hohes Wachstumspotenzial in der Bahnsystembranche: „Gemessen an der Marktdynamik gehen wir von einem Umsatzplus von bis zu 35 Prozent in den nächsten fünf Jahren aus“, so Decker.  Als Anhaltspunkt: Aktuell erwirtschaftet das Unternehmen rund 35 Millionen Euro auf Schiene. Der Hauptteil davon entfällt auf Stahlgussteile, Schweißbaugruppen sowie Schienenbearbeitungstechnologien verantwortlich.

Weltweit einzigartig: Die NextSense-Innovation basiert auf einer Laser-Technologie, bei der eine Laserlinie auf das zu vermessende Profil projiziert und die Kontur mit einer Kamera erfasst wird.
Weltweit einzigartig: Die NextSense-Innovation basiert auf einer Laser-Technologie, bei der eine Laserlinie auf das zu vermessende Profil projiziert und die Kontur mit einer Kamera erfasst wird.

Ausrufezeichen von NextSense

Auch der steirische Vermessungsspezialisten NextSense setzt auf der Innotrans ein Ausrufezeichen: Mit dem auf der Messe vorgestellten portablen Radprofilmessgerät „Calipri Prime“ können Verschleißparameter an Eisenbahnrädern schnell und hochgenau bestimmt werden. „Die klassischen, mechanischen Lehren, die derzeit eingesetzt werden, könnten so schon bald durch unser Produkt ersetzt werden“, erklärt NextSense-CEO Clemens Gasser. Ihn stimmten die Gespräche während der Messe zuversichtlich: Als Ziel hat er einen Absatz von rund 2.000 Stück pro Jahr im Visier.

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