Die steirische Luftfahrtzulieferindustrie leidet an unflexiblen Arbeitszeiten, horrenden Lohnnebenkosten und Bürokratismus. Im schnelllebigen Projektgeschäft drohen die Unternehmen dadurch ins Hintertreffen zu geraten, millionschweres Umsatzpotenzial liegt brach. Beim „Wirtschaftsgespräch 2017“ am Grazer Flughafen diskutierten knapp 20 Unternehmer mit dem VP-Verkehrssprecher Andreas Ottenschläger über wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen in der steirischen Luftfahrt.
ÖSTERREICH. Die drei Hubschrauber des US-amerikanisches Flugzeuggiganten Bell Helicopoter mit hochpräzisem Interieur nachzurüsten, wohlgemerkt in nur fünf Wochen – daran wagte sich im Dezember 2016 keiner der großen, globalen Luftfahrtzulieferer heran. Auf den Plan rief die kurzfristige Herausforderung nur das 10-köpfige obersteirische Luftfahrt-Expertenteam von Antemo: „Wenn es knifflig, hochkomplex wird und die Zeit rennt, dann sind wir die erste Adresse für Luftfahrtunternehmen rund um die ganze Welt“, bestätigt Antemo-Chef Herbert Brunner. Gemeinsam mit dem Schweizer Interieurs-Spezialisten Maritime Aeorspace wurden hochpräzise Transportboxen für den Innenraum der in Prag abgestellten Helikopter entwickelt, gefertigt und geliefert – alles in vermutlicher Rekordzeit. „Wir bieten Hochtechnologie in Nischenmärkten – unsere Besonderheit sind aber sicher die kurzen Wege. In vielen Aufträgen und Projekte der Luftfahrt können wir nur deshalb reüssieren, weil wir kurzfristig und zeitnah liefern können – das zeichnet uns aus“, bestätigt Brunner, der einräumt: „Da brauchen wir dann natürlich in kurzer Zeit sehr viel Man-Power.“
Projektgefahr durch unflexible Arbeitszeit
Das gestaltet sich allerdings alles andere als einfach, was aber nicht an den willigen Mitarbeitern, sondern vielmehr am österreichischen Bürokratismus liegt: „Projekte sind ernsthaft in Gefahrt, weil wir in Hochleistungsphasen mit dem unflexiblen Arbeitszeitgesetz in Berührung kommen. Dieses leidige Problem hätte schon längst gelöst werden müssen“, unterstreicht Brunner.
Nur durch den direkten Kontakt mit den Entscheidungsträgern können wir Probleme der heimischen Luftfahrtindustrie identifizieren und anpacken.
Ottenschläger will Vertrauen stärken
Mit dieser Meinung ist er alles andere als allein: Gerade im schnelllebigen Luftfahrt-Projektgeschäft ist die Flexibilität das steirische Trumpfass im Poker ums globale Geschäft – da sind sich die die rund 20 handverlesenen Unternehmen bei einer hochrangigen Diskussion am Grazer Flughafen einig: Die Veranstaltung gibt den luftfahrtaffinen Unternehmern die Gelegenheit, wirtschaftspolitische Probleme aufzuzeigen und direkt an den Initiator der Veranstaltung, den ÖVP-Verkehrssprecher und Nationalratsabgeordneten Andreas Ottenschläger, zu adressieren. „Nur durch den direkten Kontakt mit den Entscheidungsträgern können wir Probleme der heimischen Luftfahrtindustrie identifizieren und anpacken“, hat Ottenschläger, selbst Unternehmer, ein offenes Ohr für die Betriebe.
Diese Gespräche sind unser Anstoß in eine enge Kooperation mit der heimischen Luftfahrtindustrie.
Aus den direkten Gesprächen – und an die Veranstaltung anschließenden Firmenbesuchen – will Ottenschläger ein Maßnahmenpaket bündeln: „Wir sehen in der Luftfahrtindustrie – ausgehend von zahlreichen hochinnovativen österreichischen sowie insbesondere steirischen Unternehmen – großes Wachstumspotenzial, das wir mit gezielten Maßnahmen fördern wollen. Diese Gespräche sind unser Anstoß in eine enge Kooperation mit der heimischen Luftfahrtindustrie“, will Ottenschläger „das Vertrauen in die Politik der heimischen Betriebe wieder stärken“.
30 Tage pro Verfahren
Das bewusste Hinhören der Politik braucht es auch, betont Gründer und CEO der AMES-Gruppe, Walter Starzacher: „Insbesondere Behördenverfahren sollten unternehmerfreundlicher gestaltet werden “, fordert der Luftfahrtpionier. Seine Vision: „Jedes einzelne Verfahren müsste grundsätzlich innerhalb von 30 Tagen abgewickelt werden können – damit könnten etwa Investitionsvorgänge entbürokratisiert und stark beschleunigt werden“, so Starzacher.
Millionenhohes Einsparungspotenzial
Starzacher schätzt die Summe, die AMES durch Bürokratismus jährlich entgeht – zuzuüglich der für ihn „horrenden Lohnnebenkosten“ – auf etwa eine Million Euro. Wohlgemerkt bei einem Umsatz von etwas über 11 Millionen. Hannes Fuchshofer, Gründer und Geschäftsführer des gleichnamigen Eibiswalder CNC- und 3D-Druck-Spezialisten, fordert daher: „Die Luftfahrtindustrie ist ein boomender Geschäftszweig, hier können in den nächsten Jahren viele hunderte Arbeitsplätze in der Steiermark entstehen. Dazu braucht es allerdings ein klares Bekenntnis der Politik.“ Konkret verlangt Fuchshofer einen stärkeres Technik-Fokus in der Ausbildung.
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