Ausrufezeichen der steirischen Luftfahrtzulieferer: Bei der größten Messe für Flugzeug-Interieur in Hamburg sorgt der Peggauer Luftfahrtzulieferer AMES für eine Produktpremiere. Von einer Gesetzesnovelle im Flugzeuginnenraum profitieren auch die obersteirischen Betriebe Antemo und Hugo Sampl.
STEIERMARK/HAMBURG. 20.000 Fachbesucher, 550 Aussteller und mehr als 1.000 Airlines – dieser Tage mutiert Hamburg mit der Aircraft Interiors Expo, der weltweit größten Zuliefermesse für Luftfahrtinnenraum-Komponenten, zum Mekka der Flugzeugindustrie. Das Gedränge auf den Gängen des Messe-Areals ist charakteristisch für die Luftfahrttrends: Denn auch über den Wolken wird um jeden Zentimeter sowie Kilogramm gefeilscht – ganz nach dem Motto: zusätzliche Sitzreihen bei weniger Fluggewicht. Wie das geht, zeigen etwa die Lufthansa Technik und der strategische AMES-Partner Diehl Aerosystems mit einer vielbeachteten Weltpremiere: Durch die Integration der hinteren Küche und einer behindertengerechten Doppel-Toilettenanlage in ein einziges Kabinenelement lassen sich bis zu 150 kg Gewicht sparen. So wird im Airbus A320 gleichzeitig bei unverändertem Sitzabstand Platz für mindestens sechs zusätzliche Passagiersitze geschaffen.
Steirische Weltpremiere
Für eine weitere weltweite Produktpremiere sorgt auch ein steirisches Unternehmen: Die erste global erhältliche, bewegbare Abtrennungskomponente zwischen zwei Klassen kommt aus Peggau – verantwortlich dafür zeichnet der 50-köpfige Zulieferer AMES: Anwendung wird die im Fachjargon als „Class Divider“ bezeichnete Komponente in den hochfuturistischen Kabinen der „Boeing Sky Interior 737 New Generation“ finden. „Bis zu 100 Flugzeuge werden schätzungsweise damit alleine im ersten Jahr ausgestattet werden“, erklärt AMES-Gründer und CEO Walter Starzacher. Schon jetzt gebe es Anfragen aus der ganzen Welt für das hochpräzise Kabinenprodukt: „Von Island bis Singapur werden Airlines den „Class Divider“ in ihre Flugzeuge integrieren, da wir aktuell global betrachtet der einzige Anbieter dafür sind“, betont Starzacher.
Wir können den gesamten Lebenszyklus von Innenraum-Komponenten abdecken.
Österreichischer „One-Stop-Shop“
Mit seinem Unternehmen hat sich der Luftfahrtingenieur auf den Nachrüstmarkt spezialisiert: „Wenn ein Flugzeug von einer Airline zu einer anderen übergeht, benötigt es fast immer ein gänzlich neues Interieur“, erklärt Starzacher. Soll heißen: von den Sitzen über die Kabinenbeleuchtung bis hin zu den Stauschränken oder den Passagier-Unterhaltungssystemen – sämtliche Komponenten werden modernisiert. Das steirische Unternehmen hat dafür einen hierzulande einzigartigen „One-Stop-Shop“ etabliert: „Wir können den gesamten Lebenszyklus von Innenraum-Komponenten abdecken – von der Entwicklung über die Fertigung bis hin zur finalen Zulassung inklusive Instandhaltungsmanagement – das bringt uns ein Alleinstellungsmerkmal am internationalen und heimischen Markt “, bestätigt Starzacher.
Neue Regelung für Erholungsbereiche
Nicht nur die immer kürzeren Besitz-Intervalle der Airlines – mittlerweile wechselt ein Flugzeug alle sechs Jahre den Besitzer, früher alle zehn Jahre – ließen diesen Nachrüstmarkt in den vergangenen Jahren global auf satte 15 Milliarden Euro anwachsen: Auch von gesetzlichen Novellen profitiert der Markt, insbesondere die steirischen Zulieferer. Seit 1. März dieses Jahres müssen etwa Flugzeuge bei einer Flugdauer von über neun Stunden mit speziellen Erholungsbereichen für Crew-Mitglieder ausgerüstet werden: Die Lösung hierfür liefert eine steirische Co-Produktion von AMES und dem Wasendorfer CNC-Spezialisten Antemo sowie Federn-Spezialist Hugo Sampl aus Gußwerk. „Diese sogenannten Crew-Rest-Bereiche können in jedes beliebige Flugzeugmodell integriert werden und docken an bestehendes Interieur adaptiv an – alles innerhalb von 15 Minuten. Umgekehrt können sie, wenn nicht gebraucht werden, einfach wieder ausgebaut werden, damit Gewicht gespart werden kann“, erklärt Starzacher.
Antemo: hochpräziser Prototypenfertiger
Dafür notwendige Komponenten steuert Antemo bei: Konkret liefert der 10-Mann-Betrieb in diesem Fall hochpräzise Platten einer normierten Größte zu, sogenannte „Attachment Panels“, die für zusätzliche Stabilität des „Crew-Rest-Bereichs“ sorgen. „Wir haben uns auf hochpräzise Interieurs-Komponenten im Luftfahrtinnenraum spezialisiert“, erklärt Antemo-Chef Herbert Brunner. Mit Erfolg: Von Airbus über Boeing, von Embraer bis Bombardier – in namhaften Flugzeugen quer über den Globus steckt Know-how aus Wasendorf. „Wir haben uns in den Bereichen Prototypenfertigung und Kleinserien mit extrem hoher Qualität positioniert – und sind kein Massenfertiger“, unterstreicht Brunner. Mit Erfolg: Insbesondere im Luxus- und VIP-Bereich fliegen Antemos Interieursbauteile wie beispielsweise Business-Tische, Sichtblenden oder Schlösser rund um die Welt.
Wir haben uns in den Bereichen Prototypenfertigung und Kleinserien mit extrem hoher Qualität positioniert – und sind kein Massenfertiger.
Gußwerk setzt auf Flexibilität
Auch das obersteirische Traditionsbetrieb Hugo Sampl, gegründet 1945 im obersteirischen Gußwerk, lieferte dem innovativen Steirer-„Crew-Rest-Bereich“ Biegeteile und Kleinkomponenten zu. Noch viel länger als im Interieur ist das obersteirische Unternehmen allerdings mit hochtechnologischen Komponenten im Triebwerk erfolgreich. „Wir entwickeln und fertigen sogenannte Blattfedern. Damit werden Vibrationen beim Abbremsen eines Flugzeugs am Boden gedämpft“, erklärt Firmenchef Hugo Sampl. Spezialisiert ist das Unternehmen auch auf jegliche Bearbeitung und Umformung von Draht und Band – und das bei bemerkenswerter Flexibilität: „Wir können fast alle Aufträge innerhalb von fünf Werktagen nach Bestellung produzieren, egal ob Einzelanfertigungen, Klein- oder Großserien“, so Sampl.
Allein anhand dieses Vorzeigeprojekts zeigt sich die enge und erfolgreiche Zusammenarbeit der steirischen Luftfahrtindustrie.
Wirtschaftskammer als Triebfeder
„Allein anhand dieses Vorzeigeprojekts zeigt sich die enge und erfolgreiche Zusammenarbeit der steirischen Luftfahrtindustrie. Hier wollen wir in Zukunft eine noch stärkere Vernetzung vorantreiben und mit Messeauftritten wie diesem in Hamburg die Unternehmen intensiv dabei unterstützen, weitere Aufträge in die Steiermark zu bringen“, erklärt WK-Präsident Josef Herk, der den Messeauftritt gemeinsam mit AMES und Antemo federführend initiierte.


