Individuelle Anforderungen, mehr Sicherheit und etwas Digitalisierung: Bei der „Mawev-Show“, Österreichs größter Baumaschinen-Messe des Landes, präsentierte sich eine Branche im Wandel. Chancen entstehen vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen – wie für den Baumaschinen-Ausrüster Winkelbauer.
Zugkraft, Schubkraft und Ausbrechkraft regierten vergangene Woche auf 200.000 Quadratmetern in St. Pölten-Wörth. Rund 250 Aussteller demonstrierten auf der größten Baumaschinenmesse des Landes, bei der zehnten Auflage der sogenannten „Mawev-Show“, die Dynamik von mehr als 1.000 Maschinen. Doch die Tage, in denen die Höchstleistungen der Motor der Branche sind, scheinen gezählt: Das Zeitalter der Individualisierung ist auch in der von Tradition geprägten Industrie angekommen. „Der Trend geht ganz stark in Richtung genau zugeschnittene Lösungen je nach Anwendungsfall“, erzählt Michael Winkelbauer, Geschäftsführer des steirischen Baumaschinenausrüsters Winkelbauer. Der Betrieb hat sich neben den Ausrüstungen für Baumaschinen von einer bis zu 150 Tonnen auch auf hochwertige Komponenten und Verschleißteile für Caterpillar, Liebherr, Volvo & Co. spezialisiert – dazu werden jährlich rund 4.000 Tonnen Qualitätsstahl verarbeitet. Die immer individueller werdenden Anforderungen seien eine Chance für kleine und mittlere Unternehmen, betont Winkelbauer: „Wir können im Gegensatz zu Konzernen schnell und flexibel Einzelkomponenten fertigen.“ Wie etwa aktuell für Bautätigkeiten am Flughafen Frankfurt, wo das Unternehmen spezielle Teleskoparme beisteuert. Dafür hat Winkelbauer im Vorjahr auch in Millionenhöhe am Standort investiert: „Insbesondere um die Betriebslogistik auch für Produktion von Einzelkomponenten zu optimieren“, sagt der Chef des oststeirischen Betriebs.
30 Jahre, 8.000 Stück
Der Drang nach Individualität der Bau-Primusse kommt nicht von ungefähr: „Die Baustellen werden stetig komplexer, auch der Kostendruck steigt. Die Betriebszeit, also jene Zeit in der die Maschine in Betrieb ist, muss kontinuierlich gesteigert werden“, sagt Winkelbauer. Er weiß, wovon er spricht: Seit 30 Jahren entwickelt das Unternehmen die Kernkomponente, wenn es darum geht, die Effizienz zu erhöhen – 8.000 sogenannter Schnellwechsler hat das Unternehmen in diesem Zeitraum ausgeliefert. „Schnellwechselsysteme verringern den Umrüstaufwand und damit die Stehzeit von Baumaschinen massiv. Auch der Einsatz des optimalen Werkzeuges ist stets gewährleistet“, erklärt Winkelbauer. Auf der MAWEV-Show präsentierte das Unternehmen daher auch eine sanfte Weiterentwicklung des hausinternen Bestsellers: Eine neuer Zusatz-Mechanismus sorgt dafür, dass das Anbaugerät immer sicher in Position bleibt – auch bei Fehlbedienungen oder bei sonstigen potenziellen Problemen. „Das ist primär ein großes Sicherheitsthema, dient im weitesten Sinn aber auch der Effizienzsteigerung“, sagt der Firmenchef.
Smart „baggern“
Um die Arbeitsproduktivität weiter zu steigern, spielt auch die Digitalisierung der Abläufe zunehmend eine Rolle: „Das Thema ist innerhalb der Branche den Kinderschuhen entwachsen. Dennoch: Maschinen auf der Baustelle von einer Einsatzzentrale aus zu überwachen und sie bedarfsorientiert einzusetzen, wird diskutiert, allerdings erst mittelfristig Realität sein“, ist sich Winkelbauer sicher. Der „Bagger 4.0“ rollt also langsam auf die Branche zu – aber sicher. Charakteristisch dafür der Auftritt des asiatischen Bagger-Herstellers Komatsu auf der IT-Messe „Cebit“ im Vorjahr: Die Japaner präsentierten einen Bagger mit intelligenter Maschinenkontrolle im Innenraum. Auch Marktleader Caterpillar steht dem nichts nach: Mit Drohnenbefliegung macht das Unternehmen einen Schritt in die Zukunft. Dafür wurde eine spezielle Software entwickelt: „Wir verlinken die telemetrischen Daten mit den Drohnendaten und erhalten auf diese Weise verschiedenste detaillierte und wichtige Information von der Abbauleistung bis zur Effizienz des Maschineneinsatz“, erzählt Zeppelin-Geschäftsführer Friedrich Mozelt, Handelspartner von Caterpillar.


