Die Frage, ob junge Menschen in den Schulen genug Wissen über Wirtschaft erhalten, wird seit Jahren diskutiert und bekommt durch Studien immer wieder neue Brisanz. Ein Beispiel ist die Jugendstudie 2018, die vom Bundesverband deutscher Banken durchgeführt wurde: Sie zeigt, dass sich 84 Prozent mehr Vermittlung von Wirtschaftswissen in der Schule wünschen. Zwei Drittel sprechen sich sogar für ein eigenes Schulfach Wirtschaft aus.
In einer repräsentativen Erhebung im Auftrag des Bundesverbandes deutscher Banken zeigt sich, was sowohl Bildungsexperten als auch Unternehmer längst schon konstatieren: 71 Prozent der deutschen Jugendlichen und jungen Erwachsenen behaupten, dass sie in der Schule nicht viel bis gar nichts über Wirtschaft lernen bzw. gelernt hätten. Dabei wollen sie genau das: 84 Prozent wünschen sich mehr Informationen über wirtschaftliche Zusammenhänge in der Schule. „Was die neueste Studie für Deutschland zeigt, gilt auch für Österreich: Wirtschaft sollte an unseren Schulen ein Hauptfach sein! Wenn Neues hinzukommt, muss Altes oft weichen: Ich stelle daher das Lernen von zu viel theoretischem Grundwissen in der Schule generell in Frage.“, so Bildungs- und Digitalisierungsexperte Dieter Duftner.
Einheitliche Qualifizierung von Lehrkräften
Während die Forderung nach mehr Wirtschaftsunterricht an den Schulen immer lauter wird, rücke die dafür notwendige Qualifizierung der Lehrkräfte in den Mittelpunkt. Das Wirtschaftswissen, das Lehrer und Lehrerinnen von den Hochschulen mit an die Schulen bringen, variiere von Bundesland zu Bundesland sowie von Uni zu Uni. „Immer wieder erlebe ich Lehrer, die mit denselben Overheadfolien, wie vor 20 Jahren arbeiten. Vielleicht wird dabei sogar noch mit Zinssätzen von sieben Prozent gerechnet.“, so Duftner. Wichtig sei es, dass fachlich fundiert ausgebildete Lehrkräfte die Materialien auswählen. „Wenn in den Schulen Wirtschaft vermittelt wird, dann häufig falsch. Viele Schulbücher sind veraltet und ideologiegetränkt: Kapitalismus, Neoliberalismus und Globalisierung werden verteufelt“, erklärt der Experte.
Aktuelle Unterrichtsmaterialien und Praxispartner
Beim Thema Wirtschaft kommt jedoch auch der Aktualität der Unterrichtsmaterialien eine große Rolle zu. Von der Idee bis zur Drucklegung eines Schulbuches können Monate bzw. Jahre vergehen. Aufgrund der Dynamik von Wirtschaftsprozessen besteht die Gefahr veralteter Inhalte, noch bevor das Buch auf den Markt kommt. Am Einsatz neuer Medien wird also künftig im Unterricht kein Weg vorbeiführen, zumal etwa interaktive Lernplattformen hervorragende Möglichkeiten für lebendige und interessante „Wirtschaftsstunden“ bieten. Auch die Auswahl von passenden Praxispartnern kann erheblich zu einem besseren Wirtschaftsverständnis und auch einem größeren Interesse an ökonomischen Prozessen beitragen.


